Hedgefonds-Manager John Taylor ist ein großes Risiko eingegangen – und hat alles verloren. ©Reuters/Brendan McDermid

John Taylor ist wahrscheinlich der größte einzelne Verlierer in der Euro-Krise. Er war einer der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager an der Wall Street und hat den Einbruch des Euro vorhergesagt. Er hat auch den möglichen Ausstieg der Griechen aus der gemeinsamen Währung weit vor den verantwortlichen Politikern kommen sehen. Auf beides hat er Milliarden gewettet. Doch statt in seinem Handelsraum im 30. Stock an Manhattans nobler Park Avenue mit seinen Angestellten zu feiern, sitzt Taylor im Hinterzimmer eines Pubs in der Nähe des Bahnhofs Grand Central. Statt Champagner zu schlürfen, nippt er an einem Cappuccino. Der Mann, den sie einst "Mr. FX" – den Devisenmann – nannten, hat einen Absturz hinter sich, der seinesgleichen sucht. Und das, weil er den politischen Willen der Europäer unterschätzte, ihre gemeinschaftliche Währung zu retten.

Bis zu 14 Milliarden Dollar hat Taylor in guten Zeiten verwaltet. Jetzt ist sein Hedgefonds pleite. Aus einem 400 Quadratmeter großen Apartment am Central Park musste er ausziehen. Er habe nicht mal genug Platz für seine Bücher, klagt er. An diesem Nachmittag stehen ihm die grauen Haare wirr vom Kopf ab, und weil er ein kariertes Tweedjackett trägt, sieht John Taylor aus wie das Klischee des zerstreuten Professors.

Vor fünf Jahren gehörte Taylor zu den meistgehassten Männern in Europa. Er war einer jener Spekulanten, die gegen den Euro wetteten. Zeitweise setzte sein Fonds, FX Concepts, mehr als drei Milliarden Dollar auf einen schnellen Kursrutsch.

Der Kampf mit der Politik

Besonders erbost waren viele Europäer über einen lässigen Kommentar: Der Euro sei wie ein Huhn, dem man den Kopf abgeschlagen habe und das nur noch ein paar Runden über den Hof drehe, bevor es tot umfalle, schrieb Taylor. Die Bild-Zeitung prangerte ihn an: Dieser Mann zockt gegen den Euro. Taylor erhielt Morddrohungen aus Deutschland. Spekulanten wie er seien "wie ein Wolfsrudel", das Länder "in Stücke reißen" wolle, schäumte Schwedens damaliger Finanzminister Anders Borg.

Selbst Angela Merkel machte gegen Taylor und seine Hedgefonds-Kollegen mobil. "Die Spekulanten sind unsere Gegner", sagte die Kanzlerin. Es sei "ein Kampf der Politik mit den Märkten".

FX Concepts, Taylors Firma, war nicht irgendein Hedgefonds. Er war auf seinem Höhepunkt der größte Devisenfonds der Welt. Hedgefonds kommen und gehen, die durchschnittliche Lebensdauer der riskanten Geldpools beträgt fünf Jahre. FX Concepts gab es 32 Jahre lang, das allein machte Taylor zur Legende. Amerikanische Fonds überließen ihm die Altersvorsorgegelder von Lehrern, Feuerwehrmännern und Polizisten. Sogar deutsche Versicherer und Investmentfonds vertrauten ihm Hunderte Millionen Euro an.

Griechenland-Pleite "nur eine Frage der Zeit"

Fragt man Taylor, was dann passiert sei, lautet seine Antwort: "Die Deutschen." Nie hätte er gedacht, dass sich ausgerechnet die Deutschen so für den Erhalt des Euro einsetzen würden. Immer wieder zeigte sich Merkel bereit, Rettungsaktionen mitzutragen. Griechenland, da war sich Taylor völlig sicher, würde pleitegehen oder zur Drachme zurückkehren. "Es ist nur eine Frage der Zeit", sagte er im Herbst 2011 siegessicher im Anlegermagazin Barron’s. Er rechnete in Wochen, höchstens Monaten. Seine Argumente: Der Schuldenberg sei einfach zu groß, und die Griechen würden gegen die ihnen auferlegten Sparprogramme aufbegehren.

Der Markt würde sich wieder gegen den Willen der Politik durchsetzen, glaubte Taylor.

Stattdessen richtete das EU-Parlament im Jahr 2011 den Europäischen Stabilitätsmechanismus ein – und der damalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erhöhte zweimal die Leitzinsen, obwohl die Rezession anhielt. Diese unorthodoxen Maßnahmen führten dazu, dass Anleger weltweit wieder Vertrauen in den Euro fassten – und dessen Kurs gegenüber dem Dollar kräftig stieg. Statt an Wert zu verlieren, erreichte der Kurs der Gemeinschaftswährung im Jahr 2011 sogar einen Höchststand von über 1,40 Dollar.

Über die Zinsentscheidung Trichets schüttelt Taylor noch heute den Kopf. Aus seiner Sicht hat der Notenbanker einen fundamentalen Fehler gemacht, der die Wirtschaft schwer belastet habe. Grund genug für Taylor, trotz der verheerenden Verluste seines Hedgefonds weiter an seiner Wette gegen den Euro festzuhalten.

2012 schien er endlich recht zu behalten. Dieses Mal drohte Spanien zu kippen. Doch dann folgte das zweite Rettungspaket für Griechenland. Und Mario Draghi, der inzwischen Trichet abgelöst hatte, hielt im Sommer seine berühmte Rede, in der er versprach, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um den Euro zu retten. Das war eine klare Warnung an Spekulanten wie Taylor, dass es sehr teuer werden würde, gegen die Notenbank zu setzen. Mit wenigen Worten schaffte der EZB-Chef die Wende – es kehrte Ruhe ein an den Finanzmärkten. Von einem Auseinanderbrechen des Euro war plötzlich keine Rede mehr.