1. Womit verdient Apple sein Geld?

Mit dem Verkauf des iPhones hat der Apple-Konzern 50 Milliarden Dollar eingenommen – innerhalb von nur drei Monaten. Zwischen September und Dezember 2014. Besonders in China nahmen die Verkäufe zu, obwohl der dortige Hersteller Huawei ebenfalls exzellente Smartphones entwickelt, obwohl beide Konzerne bei demselben Zulieferer fertigen lassen – und obwohl ein iPhone doppelt so viel kostet wie das Spitzenmodell von Huawei, 800 Euro gegenüber rund 400 Euro. Da sich die Produktionskosten nicht so sehr unterscheiden, ist hier eine Ursache für den Rekordgewinn von 18 Milliarden Dollar im letzten Quartal gefunden: Apple verkauft nicht nur ein Handy, sondern einen sozialen Status.

Das Bild auf dieser Seite sagt dazu eigentlich alles. Es fängt schon beim Material an: Poliertes Aluminium, wie es Apple für das iPhone 6 benutzt, stehe derzeit in besonderer Weise für Individualität und Authentizität, sagt Gadi Amit, der kürzlich zum besten Industriedesigner in den USA gekürt wurde. Das iPhone hebe den Besitzer aus der Masse heraus, weise ihn – mehr als andere Smartphones – als modernen, wohlhabenden Menschen aus. Wenn es dann auch noch aus goldfarbenem Aluminium sei, umso besser. Im letzten Quartal des Vorjahres haben weltweit 74 Millionen Menschen ein iPhone 6 erworben.

2. Wie sparen internationale Konzerne Steuern?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT No 6 vom 05.02.2015.

Seit Jahrzehnten verschieben internationale Konzerne aus steuerlichen Gründen Vermögensgegenstände von einem Land ins andere. Angefangen hat es mit Kapital und Produktionsanlagen. Heute spielen auch immaterielle Vermögensgegenstände eine Rolle: Patente, Urheberrechte, Markenrechte. Ein Unternehmen verkauft diese Rechte an eine Tochtergesellschaft in einem Niedrigsteuerland. Dann zahlt es dieser Tochtergesellschaft Gebühren für die Nutzung der Marke und der Urheberrechte. Diese Gebühren kann das Unternehmen im Heimatland von der Steuer absetzen. Die Tochtergesellschaft muss dafür im Niedrigsteuerland aber kaum Abgaben zahlen. Im Fall von Apple heißt das Steuerparadies Irland.

3. Wer hilft Apple dabei, dem Fiskus möglichst wenig abzugeben?

Bis zum Jahr 2009 arbeiteten die Apple-Juristen mit den Wirtschaftsprüfern von KPMG zusammen, danach wechselte der Auftrag zu Ernst & Young. Um die Steuerminimierung in Europa kümmerten sich in der Regel hiesige Partner der Wirtschaftsprüfer, sagt ein erfahrener Steuerberater, der andere Firmen als Apple berät. Um die Besteuerung in den USA abzusichern, seien dortige Wirtschaftsprüfer zuständig.

Den Wert des geistigen Eigentums, das eine Tochtergesellschaft erwirbt (siehe Frage 2), ermitteln in der Regel jene Wirtschaftsprüfer, die dem Konzern bei der Steuerminimierung helfen. Je niedriger der festgesetzte Wert für das übertragene Eigentum ausfällt, umso höher sind später die Gewinne. Steuerbehörden prüfen allerdings, ob sie den festgesetzten Wert akzeptieren. Dabei ist es bisweilen hilfreich, wenn Wirtschaftsprüfer früher in der entsprechenden Behörde gearbeitet haben. Der Vorstandschef von Ernst & Young ist zum Beispiel ein Steuerexperte, der früher im US-Finanzministerium angestellt war.

"Die US-Regierung hat offenbar kein Problem damit, dass amerikanische Unternehmen mit diesen Modellen arbeiten", sagt Chris Morgan, als Partner bei KPMG für britische Steuerfragen zuständig. Seiner Meinung nach liegt das auch daran, dass das amerikanische Steuerniveau vergleichsweise hoch ist. "Amerikanische Firmen müssen rund 40 Prozent ihrer Gewinne abführen. Im Gegenzug haben die Behörden sich auf ein System eingelassen, durch das Unternehmen wenigstens die Gewinne aus ihren ausländischen Tochtergesellschaften niedrig versteuern können."

So kompliziert ist es also nicht. Das Arrangement ist eine versteckte Subvention für wichtige Arbeitgeber.

4. Wie kommt es, dass Europas Steuerrecht so löchrig ist?

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich in den Römischen Verträgen darauf geeinigt, dass Firmen ihren Sitz und den ihrer Tochtergesellschaften innerhalb der EU frei wählen dürfen. Dort unterliegen sie den jeweiligen nationalen Steuergesetzen. Auch Kapital können sie frei von einem EU-Land in ein anderes schaffen. Die Steuergesetzgebung blieb in der Hand der Mitgliedstaaten. So erklärt sich, warum Luxemburg, die Niederlande und Irland ihre niedrigen Steuersätze erlassen konnten, ohne dass die anderen EU-Staaten darauf hätten Einfluss nehmen können. Erst seit bekannt geworden ist, wie viele Milliarden an Steuereinnahmen anderen EU-Staaten dadurch jedes Jahr entgehen, denken die Regierungen dieser Länder langsam um.