Vor einigen Jahren flog die US-amerikanische Gesellschaft United Airlines durch unerwartete Turbulenzen – im Internet. United hatte den Folkmusiker David Carroll und dessen Gitarre ruppig behandelt: In Halifax wurde das Instrument in den Frachtraum verbannt, in Chicago ging es zu Bruch, und hinterher weigerte sich United, den Schaden zu regulieren. Das satirische Musikvideo, das Carroll bald unter dem Titel United Breaks Guitars bei YouTube veröffentlichte, benennt die Schuldigen: sportlich ambitionierte Gepäckarbeiter am Flughafen, die das Verladen einer Gitarre als olympische Wurfdisziplin missverstehen. Viele Musiker buchten daraufhin ihre Tickets woanders und entfesselten einen Shitstorm, der kurz vor einer Aktionärsversammlung über der Fluggesellschaft niederging. Seitdem behandelt United Gitarren wie Ming-Vasen.

Trotzdem können viele Musiker immer noch Arien, ja ganze Opern von Flugreisen singen. Bis heute existieren keine einheitlichen internationalen Regelungen über den Umgang mit Instrumenten in der Luft. Mal dürfen sie ins Gepäckfach über dem Sitz in der Kabine, mal muss für sie ein eigener Sitz gebucht werden, und mal dürfen sie nur als Frachtgepäck transportiert werden. In vielen Fällen leiden die zartbesaiteten und oft wertvollen Instrumente dabei.

Eine klare Grenze zieht British Airways mit fast humoristischer Eindeutigkeit: "Ein Kontrabass kann nicht in der Kabine untergebracht, sondern muss aufgegeben werden." Die Unsicherheit betrifft aber alle kleineren Streichinstrumente. Muss ein Violoncello in den Frachtraum? Oder darf es auf einem zweiten Platz in der Kabine verstaut werden, der aber zu bezahlen ist? Noch schwieriger ist die Frage bei Gitarren, Geigen, Trompeten oder Saxofonen zu beantworten; sie sind zwar kleiner als ein Cello, doch keiner der Instrumentenkästen erfüllt die Regeln für Handgepäck: 55 Zentimeter in der Länge, 40 in der Breite, 20 in der Höhe. Dabei wissen Vielflieger, dass auch manche Rucksäcke und Damenhandtaschen diese Maße nicht einhalten.

Selbstverständlich haben Gepäckfächer Grenzen, vor allem wenn gleich eine ganze Blaskapelle abheben will. Ins Fach eines Airbus 320 passen mehrere Trompeten, in das einer Embraer ERJ 135 passt keine einzige. Trotzdem erleben Reisende beim Blick durch die Handgepäck- und Musikinstrumenten-Bestimmungen der Fluggesellschaften wüste Dissonanzen. Einem Geiger beispielsweise bot Air Berlin vor einiger Zeit an, für sein Instrument auf der Strecke von Düsseldorf nach Helsinki einen zweiten Sitzplatz für 500 Euro zu buchen. Er blieb daheim. Auf den Fall angesprochen, antwortet Air Berlin: "Selbstverständlich können Musikinstrumente auch als Freigepäck aufgegeben beziehungsweise in die Kabine mitgenommen werden, sofern sie die zulässigen Abmessungen nicht überschreiten."

Entgegenkommen souffliert Austrian Airlines, doch umsonst ist es nicht: "Wir erlauben uns, einen Zuschlag einzuheben." Die österreichische Fluggesellschaft teilt mit: "Ist ein Geigenkasten nur etwas größer als die maximalen Ausmaße, versuchen wir eine Mitnahme in der Kabine zu ermöglichen." Aber was heißt schon "etwas größer"? Geigenkästen sind immer deutlich länger als 55 Zentimeter – nämlich etwa 80 bis 85 Zentimeter.

Ganz ungemütlich geht es bei Ryanair oder Air France zu, wenn man diversen Foren im Internet glauben darf. Dort warnen Musiker regelmäßig vor "Abzocke" oder vor unzugänglichem Kabinenpersonal, das eine Bratsche schon mal für ein Stück Holz mit Draht hält; einem Musiker, der demonstrieren wollte, wie leicht sie ins Gepäckfach passt, wurde mit dem Kapitän gedroht. Der Musikus blieb in Paris am Boden. Ryanair und Air France verweisen auf ihre Beförderungsrichtlinien: Was die Abmessungen für Handgepäck überschreite, könne auf einem eigenen Sitzplatz mitfliegen – der natürlich bezahlt werden müsse.

Rigoros scheinen die Verhältnisse auch bei der Etihad aus Abu Dhabi zu sein. Dort stellt man klar, dass "Musikinstrumente nur als aufgegebenes Gepäck angenommen werden". Zuvorkommender behandelt die Airline dagegen nationale Heiligtümer: "Falken sind als Handgepäck ohne Aufpreis erlaubt."