Die Exzellenzinitiative ist eine Erfolgsgeschichte in der deutschen Wissenschaftspolitik. Nun streitet man darüber, wie sie fortzusetzen wäre – anders als bisher, finden wir. Bis Ende der neunziger Jahre galt für die deutschen Hochschulen das Prinzip Gleichmacherei: Alle Hochschulen sollten gute Qualität in Forschung und Lehre bieten, nach ähnlichen Standards, auf ähnlichem Level. Die Exzellenzinitiative kündigte diesen Konsens auf: Sie belohnte die Spitzenforschung, förderte die Kooperation mit leistungsstarken Einrichtungen außerhalb der Hochschule und stärkte die Identifikation der Professoren mit ihrer Universität. Das Ziel lautete: internationale Wettbewerbsfähigkeit für einen kleinen Kreis herausragender Universitäten.

Die Erfolge sind nach zehn Jahren da. Allerdings blieben weitere Hochschulaufgaben außen vor. Die nächste Runde der Exzellenzinitiative von 2017 an darf deshalb nicht mehr nur allein die Forschung im Blick haben, sondern muss verschiedene Hochschulprofile belohnen.

Das Aufgabenspektrum von Universitäten ist in den vergangenen zwanzig Jahren enorm gewachsen: Es gibt mehr und mehr Studierwillige, gleichzeitig verliert der klassische Studierendentypus an Bedeutung. Ehemals atypische Studierende, also solche, die Kinder haben, im Beruf stehen oder unterschiedliche Bildungsbiografien mitbringen, brauchen neue und differenzierte Wege, um zu einem akademischen Abschluss zu gelangen. Das erfordert Hochschulen, die sich auf andere Ziele als auf Spitzenforschung spezialisieren, auf lebenslanges Lernen etwa oder auf die Lehre für first generation students, die Schulabgänger aus bildungsfernen Familien.

Zudem sollen Hochschulen heute Beiträge zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten, insbesondere in ihrer Region Innovation fördern und einer unternehmerischen Gründerkultur den Boden bereiten. Sie sollen Antworten finden auf soziale und ökologische Herausforderungen, sollen als Bürgeruniversitäten die Zivilgesellschaft in wissenschaftliche Prozesse einbeziehen und deren Anliegen zum Ausgangspunkt von Forschung und Lehre machen. Klar ist: Keine Hochschule kann all diesen Anforderungen gerecht werden, eine Aufgabenteilung innerhalb des Systems ist deshalb überfällig.

Es finden sich schon gute Ansätze wie die Universität der Informationsgesellschaft in Paderborn, die Universität für Weiterbildung in Berlin oder die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Wirkliche Schwerpunktsetzung in Lehre, Regionalität oder Innovation ist aber noch die Ausnahme. Keine deutsche Universität hat sich bislang so ausdrücklich der Lehre und den Studenten verschrieben wie die Universität Maastricht mit ihrem Motto "leading in learning".

Erst durch die Ausprägung unterschiedlicher Profile kann ein Hochschulsystem allen Bedürfnissen gerecht werden. Erst dann wäre ein world class university system erreicht. Bisher hatte die Exzellenzinitiative nur einzelne world class universities im Blick. Tatsächlich sind die Hochschulen, die mittlerweile zu den Exzellenzuniversitäten gehören, mit ihrer Reputation in der weltweiten wissenschaftlichen Hierarchie aufgestiegen. Dieser Erfolg spricht sowohl für die Fortführung der Exzellenzinitiative als auch für ihre Neuausrichtung.

Bei der Exzellenzinitiative galt: Nur wer sich in der Forschung bereits auf hohem Niveau bewegte, hatte eine Chance, sich über Exzellenzcluster, Graduiertenschulen und Zukunftskonzepte für den Olymp der deutschen Wissenschaft zu qualifizieren. Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllte, so lautete die Hoffnung der Politik, werde sich andere, neue Felder suchen, um sich zu profilieren.