Hamburgs Luft soll besser werden. Die großen Frachter im Hafen haben über Jahre zu viel Ruß und Stickoxide in die Luft gepustet. Seit Januar gelten für Schiffe, die auf Nord- und Ostsee verkehren, nun neue Abgasregelungen. Für die Reeder heißt das, ihre Schiffe mit teuren Abgasfiltern nachzurüsten. Oder umweltfreundlichen Marinediesel zu tanken, der deutlich mehr kostet als das herkömmliche Schweröl. Schwierig für die ohnehin von der Schifffahrtskrise gebeutelte Branche, sagt der neue Chef des in Hamburg ansässigen Verbands deutscher Reeder (VdR), Alfred Hartmann.

DIE ZEIT: Herr Hartmann, zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Reederverbands kommt der Präsident nicht aus Hamburg. Wie bringen Sie sich als ostfriesischer Reeder in Hamburg ein?

Alfred Hartmann: Nun, ich bin Mittelständler. Wir sind keine große Reederei, auch keine Kapitalgesellschaft. Wahrscheinlich traut man mir zu, dass ich auch die mittelgroßen und kleinen Reedereien vertrete, die nicht so prominent sind, aber den Großteil der Verbandsmitglieder stellen. Ich habe ja selbst ganz klein angefangen, habe mich vor gut dreißig Jahren mit einem Schiff selbstständig gemacht, bin damals als Kapitän zur See gefahren, und meine Frau hat sich zu Hause um die Buchhaltung gekümmert.

ZEIT: Sie sind ein sogenannter Kapitänsreeder.

Hartmann: Ja.

ZEIT: Dann wissen Sie ja auch aus eigener Erfahrung, dass die Schifffahrt nicht immer umweltfreundlich ist. Seit dem 1. Januar gibt es neue Regeln: In Nord- und Ostsee dürfen Schiffe nur noch Treibstoff tanken, der weniger als 0,1 Prozent Schwefel enthält. Begrüßen Sie das?

Hartmann: Grundsätzlich ja, weil wir die Emissionen weiter senken wollen. Aber mir wäre eine längere Übergangszeit lieber gewesen, bis die Regelung in Kraft tritt. Und die Scrubber ...

ZEIT: Sie meinen die Anlagen, die Schiffe an Bord einbauen können, um damit den Schwefel herauszufiltern.

Hartmann: Genau. Und diese Scrubber sind eine komplizierte Lösung. Das ist, als wenn jedes Schiff eine kleine Chemiefabrik mit sich führt, bloß um den Schwefel loszuwerden. Erst mal ist das teuer ...

ZEIT: Wie teuer genau?

Hartmann: Von 2 Millionen für ein kleines Schiff bis hin zu 10 Millionen Euro bei den größeren, und dann gibt es auch noch die Wartungskosten. Und zweitens ist der Prozess ziemlich aufwendig. Je nachdem, welchen Scrubber man wählt, entstehen Abfallstoffe, die auch wieder entsorgt werden müssen, und das ist nicht in allen Häfen möglich. Die bessere Lösung wäre es gewesen, wenn die Raffinerien an Land den Schwefel aus dem Schweröl herausholen würden.

ZEIT: Aha, die Raffinerien sollen sich um die Entschwefelung kümmern. Schieben Sie als Reeder nicht einfach die Verantwortung anderswohin?

Hartmann: Nein, denn am Ende muss der Reeder ja dafür bezahlen. Wenn die Raffinerien den Schwefel herausfiltern, geben sie das über die Treibstoffpreise an die Reeder weiter.

ZEIT: Es gibt aber auch eine andere Möglichkeit als den Scrubber. Die Schiffe können anstelle von Schweröl mit Marinediesel fahren. Wie halten Sie das in Ihrer Firma?

Hartmann: Wir fahren mit Marinediesel. Und die meisten anderen Reeder tun das auch. Ich kenne nur ganz wenige, die es nicht so machen.

ZEIT: Sie tanken Marinediesel und halten sich an die neuen Regeln. Dann ist ja alles gut.

Hartmann: Nein, denn für Marinediesel zahlt man einen wesentlich höheren Preis als für Schweröl.

ZEIT: Aber der Ölpreis ist dramatisch gefallen. Marinediesel ist derzeit so billig wie Schweröl vor drei oder vier Monaten. Also können es die Reeder auch verkraften. Und es ist gut für die Umwelt!

Hartmann: Stimmt, wir sind beim Marinediesel von Preisen um die 1000 Dollar pro Tonne ausgegangen, jetzt liegen wir bei 500, das ist erst mal hilfreich. Aber den relativen Kostenunterschied zum Schweröl gibt es natürlich immer noch. Und die Befrachter wissen auch, dass die Preise gefallen sind. Also drücken sie jetzt schon wieder die Frachtraten. Der tiefe Ölpreis ist also Segen und Fluch zugleich.