Es ist ein Nebensatz, der Friedrich Liechtenstein seit Monaten verfolgt: "..., bekannt durch den YouTube-Hit Supergeil". Der Nebensatz ist immer da, wo Liechtenstein auftaucht. Liechtenstein war ein nicht unbekannter Künstler, aber durch seinen Supergeil-Werbespot für den Lebensmittelhändler Edeka ist er berühmt geworden. Über den Mann mit dem grauweißen Vollbart, der mit getönter Brille und Siegelring durch den Supermarkt tanzt, schrieb sogar die New York Times.

Es ist der meistgesehene Werbespot des vergangenen Jahres auf der Online-Plattform YouTube in Deutschland. Fast 14 Millionen Mal wurde Supergeil bislang angeklickt. Es ist Werbung, die ausschließlich fürs Internet produziert wurde. Werbemenschen und Marketingverantwortliche sprechen in diesem Fall von einer Onlinekampagne. Weil YouTube das führende Videoportal in Deutschland ist und weil ein Video, egal auf welcher Internetseite es angeklickt werden kann, so gut wie immer über ein YouTube-Fenster abgespielt wird, kann man sagen: Supergeil wurde für YouTube gemacht.

Supergeil beweist, was Werbung auf YouTube leisten kann. Warum YouTube derzeit eine für Werber so spannende Plattform ist. Warum YouTube genau zehn Jahre nach seiner Gründung dem alten Fernsehen echte Konkurrenz macht. Einer Erhebung der Beratungsfirma Goldmedia zufolge nutzen elf Prozent der Deutschen die Plattform mehrfach am Tag.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT No 7 vom 12.02.2015.

Dabei ist YouTube kein schlichtes Onlinefernsehen, auch was Werbung angeht: Es gibt zwar Bannerwerbungen und Spots, die vor oder nach Videos zu sehen sind – das ist die Werbung, die nervt, weil sie aufdringlich ist und man sich gegen sie wehren muss. Das erinnert ans alte TV.

Supergeil ist anders. "Liechtenstein tanzt mit Keksen und badet in Milch, aber es bleibt ein Musikvideo, das einen nicht belästigt", sagt Hans-Peter Sporer, der – damals noch Kreativdirektor bei der Hamburger Agentur Jung von Matt – die Idee zu dem Spot hatte. "Supergeil ist, was Werbung angeht, subtil. Und die Leute schauen sich diese Werbung freiwillig an, weil sie unterhalten werden, darum geht es: Entertainment." Ein Video wie Supergeil klicken die Menschen nicht weg, sie suchen gezielt danach.

Werbung, die der Konsument unbedingt sehen will: Dieses Versprechen lockt praktisch jedes größere Unternehmen zu YouTube. Die meisten präsentieren ihre Videos inzwischen auf eigenen YouTube-Kanälen, in denen sie ihre Marken inszenieren, und das, was dabei herauskommt, sieht oft nicht mehr nach Werbung aus: Die Fluggesellschaft Air Berlin feierte mit einem dreiminütigen Clip den Fall der Mauer; bei Media Markt gibt es einen Workout für Elektronik-Jäger, zur Vorbereitung auf ein Gewinnspiel.

Zu dem Zeitpunkt, als Edeka die Supergeil-Kampagne in Auftrag gab, hatte das Unternehmen noch keinen eigenen YouTube-Kanal. Heute, anderthalb Jahre später, sagt man: "Wir erreichen über YouTube eine Zielgruppe, die sich zunehmend dem klassischen TV-Konsum entzieht."

Fragt man bei anderen Firmen nach der Bedeutung von YouTube, fallen die Antworten ähnlich aus: "YouTube ist ein zentraler Bestandteil der digitalen Kommunikation von Mercedes-Benz", heißt es bei Daimler. Für Media Markt ist YouTube die "wichtigste Plattform zur Onlineverbreitung unserer Spots". Werbemann Sporer sagt: "Aus der Werbewelt ist YouTube nicht mehr wegzudenken."