Ein Gespräch von Königshaus zu Königshaus sollte helfen. Wohl als einer der ersten westlichen Staatsmänner sprach Großbritanniens Prinz Charles vergangene Woche den saudischen König Salman auf die Folterstrafe für Raif Badawi an. Seit Juni 2012 sitzt der Blogger wegen Blasphemie im saudischen Gefängnis. Zehn Jahre muss er in Haft bleiben; jeden Freitag soll er in der Stadt Dschidda öffentlich ausgepeitscht werden, mit insgesamt 1000 Hieben. Anfang Januar schlug ein Peiniger 50-mal mit einem Stock auf ihn ein. Die darauffolgenden Freitage wurde die Strafe ohne offizielle Begründung verschoben – mutmaßlich wegen Badawis schlechten Gesundheitszustands.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 8 vom 19.02.2015.

Badawi hatte die Website "Freie saudische Liberale" gegründet. Darin forderte er, den Islam mit anderen Religionen gleichzusetzen – für die saudischen Richter eine schwere Beleidigung des Islams. Badawi plädiert für einen liberalen Staat und damit für das Recht eines jeden, seine Religion frei zu wählen.

Kurz vor seiner Verhaftung argumentierte Badawi, dass sich seine Vision eines religionsneutralen Staats durchaus mit dem Islam vertrage: "Der Staat ist religionslos. Das heißt nicht, dass er ketzerisch ist. Ganz im Gegenteil schützt und pflegt der Staat das Recht aller Religionen, ohne sie zu diskriminieren, zu bevorzugen oder den Glauben der Mehrheit zu missionieren. Der Liberalismus ist die Vision eines freien und guten Lebens für alle. Und diese Vision steht im Einklang mit der göttlichen Religion, die immer und jederzeit zur Güte, Liebe und zum Frieden aufruft."

In seinen Texten ergreift Badawi auch Partei für die Frauen: "Natürlich muss das liberale System auf andere Konzepte ausgeweitet werden wie Menschenrechte, Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Hätten liberale Frauen und Männer nicht über Jahrzehnte dafür gekämpft, gäbe es solche Konzepte und Ideen nicht."