Spätestens im vergangenen Herbst war es an der Zeit, misstrauisch zu werden. Gerade hatten sich Bund und Länder verständigt, all die erfolgreichen Wissenschaftspakte der vergangenen Jahre fortsetzen zu wollen, da fiel in der begleitenden Pressemitteilung eine Formulierung ins Auge. Von einer "neuen" Bund-Länder-Initiative war dort die Rede, die "neuartige Projekte und Initiativen der Hochschule" ermöglichen solle. Auch die Überschrift der Meldung ließ Nuancen erkennen: Bund und Länder wollen "Dynamik der Exzellenzinitiativen erhalten". Die Dynamik also: Ja. Die Exzellenzinitiative selbst aber: Nein?

Vielen ist womöglich noch gar nicht die Tragweite dessen klar, was sich da abzeichnet: Die 2005 gestartete Exzellenzinitiative war die weitreichendste wissenschaftspolitische Weichenstellung der vergangenen 40 Jahre; sie hat Deutschlands Wissenschaft nach vorn gebracht im internationalen Wettbewerb um die klügsten Wissenschaftler und die faszinierendsten Forschungsleistungen; sie hat Schluss gemacht mit der Lebenslüge, alle Universitäten seien im Grunde gleich, und diese Gleichheit zu erhalten sei das oberste Ziel vorausschauender Hochschulpolitik. Die Exzellenzinitiative hat die Sieger belohnt und die vermeintlich Unterlegenen angespornt, es ihnen gleichzutun. So hat sie am Ende alle besser gemacht.

Doch die Schlussfolgerung der Politik, zumindest wenn sich die derzeit lautesten Rufer durchsetzen, lautet: abschaffen. Genauer gesagt: umdefinieren in einer Weise, dass ihr Kern verschwindet.

Die Richtung, in die im Moment alles zu laufen scheint, haben Uwe Schneidewind und Frank Ziegele in ihrem Plädoyer vor zwei Wochen in der ZEIT (Nr. 6/15) nachgezeichnet: Künftig soll vor allem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Förderung von Forschungsexzellenz zuständig sein; die "neue Exzellenzinitiative" hingegen solle "auch Konzepte honorieren, welche die Differenzierung in der Breite vorantreiben". Was sich fast anhört wie: alles außer Spitzenforschung.

Was Schneidewind und Ziegele fordern, ist kein origineller, kein irgendwie gegen den Strich gebürsteter Gedankengang; die beiden bewegen sich im Geleitzug weiter Teile der Wissenschaftspolitik. Und genau das ist das Problem: Der Erfolg der Exzellenzinitiative droht ihr zum Verhängnis zu werden. Gerade weil sie so viel erreicht hat in der Förderung der Spitzenforschung, meinen viele nun, ihr Rezept lasse sich auf all die anderen Bereiche übertragen, in denen sie bei Deutschlands Hochschulen Nachholbedarf erkennen. Viele Professoren engagieren sich nicht genug in der Lehre? Her mit der Initiative! Universitäten schaffen es nicht, ihre Erkenntnisse in Patente umzusetzen? Sie haben zu wenig Kontakt zur umliegenden Region? Sie diskutieren ihre Forschung nicht genug mit der Gesellschaft? Da kann die Initiative helfen. Und natürlich kann man auch den sich verschärfenden Konflikt zwischen Universitäten und Fachhochschulen auf diese Weise lösen.

Die Liste ließe sich fortsetzen, die Logik ist klar. Ebenso klar sollte jedoch sein, dass das nicht funktionieren kann. Die Stärke der Exzellenzinitiative beruht darauf, dass sie einen eindeutigen Fokus hat. Dass sie nicht relativiert. Dass sie Leistung – Forschungsleistung! – herausstellt und belohnt. Dass sie nicht sagt: Irgendwie ist alles gleich wichtig.