Mark, es stimmt schon: Ein dauerhaft niedriger Ölpreis kann der Umwelt schaden, weil die Konsumenten wieder verschwenderischer mit dem Rohstoff umgehen. Dennoch machst Du es Dir zu einfach, wenn Du glaubst, eine globale Steuer auf Ölprodukte könnte das Problem beheben.

Den wichtigsten Nachteil einer solchen Steuer nennst Du selbst: Sie funktioniert nur, wenn die meisten Staaten mitmachen, weil sonst die Unternehmen die Steuer leicht umgehen könnten. Eine breite Beteiligung aller Länder aber ist sehr unwahrscheinlich, und zwar deshalb, weil jedes Land, das die Abgabe zuerst einführt, einen Wettbewerbsnachteil im internationalen Handel erfahren würde. Jedes Land hat deshalb einen Anreiz, die anderen voranschreiten zu lassen – ein Grunddilemma beim Klimaschutz.

Was das bedeuten kann, hat Europa bei der Einführung des Emissionshandels erlebt. Bis heute scheitert der Handel mit Verschmutzungsrechten nicht zuletzt an den Egoismen der Nationalstaaten. Wenn aber schon auf europäischer Ebene keine Einigung gelingt, wie soll sich die Welt auf eine Abgabe auf Öl verständigen?

Ich bin aber noch aus einem anderen Grund skeptisch, was die Steuer betrifft. Denn die Auswirkungen des billigen Öls sind keineswegs so eindeutig und katastrophal, wie Du schreibst. In Ländern wie Angola, Ägypten oder Indonesien nutzen die Regierungen gerade die Gelegenheit, um ihre gewaltigen Subventionen auf Benzin zurückzufahren. Diese Zuschüsse werden in den meisten Entwicklungsländern gezahlt, damit das Autofahren und Heizen erschwinglich bleibt. Der große Nachteil ist, dass die Nachfrage dadurch künstlich erhöht wird und der Staat Milliarden aufwenden muss, die er stattdessen in Sozialprogramme und den Umbau des Energiesektors investieren könnte.

Wenn die Subventionen dank des billigen Öls dauerhaft abgebaut werden, wäre das nicht nur gut für das Klima, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder. Eine globale Steuer würde die Entwicklung konterkarieren. In China führt das billige Benzin dazu, dass Transporter mit alten Dieselmotoren aus dem Verkehr gezogen werden und sparsamere Antriebe eine Chance bekommen. Wenn sich aber die Folgen des billigen Öls derart von Land zu Land unterscheiden, spricht das gegen eine einheitliche Steuer für alle Länder.

Und was die USA angeht: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Du nicht übertreibst. Es stimmt zwar, dass die Amerikaner gerade wieder dickere Autos kaufen. Das aber hat keinesfalls nur mit dem billigen Öl zu tun. Die Produktionszyklen in der Automobilindustrie belaufen sich meist auf mehrere Jahre. Viele der Autos, die heute in den Autosalons stehen, wurden zu einer Zeit geplant, als das Benzin noch teuer war. Den Fahrern ist es zudem oft egal, ob der Liter Super 2 Euro oder 1,30 kostet – ihnen geht es um das Prestige. Deine Steuer würde sie kaum beeindrucken.

Es ist auch nicht ganz richtig, dass durch das billige Öl die Anreize sinken, in erneuerbare Energien zu investieren. Weil aus Öl zumeist kein Strom gewonnen wird, sind viele Investitionen in Solar- und Windenergie unabhängig vom Preis des Öls. Deshalb nimmt übrigens die Energiewende in den USA und China gerade Fahrt auf – trotz des niedrigen Ölpreises.

Das heißt nicht, dass der Staat die negativen Effekte des billigen Ölpreises hinnehmen muss. Wenn die Amerikaner spritsparendere Autos haben wollen, können sie die Abgasregeln verschärfen. Und wenn Europa strengere Regeln für die Gebäudedämmung haben will, braucht es andere Gesetze. Eine globale Abgabe aber halte ich für unrealistisch – und letztlich auch nicht für hilfreich. Dein Philip

Lesen Sie hier den Text von Mark Schieritz.