Google-Chef Eric Schmidt mit dem Prototyp des selbstfahrenden Autos von Google © Justin Sullivan/Getty Images

DIE ZEIT: Wann kann ich mir ein selbst fahrendes Google Car kaufen?

Chris Urmson: Das möchte ich selbst gerne wissen (lacht). Derzeit arbeiten wir daran, dass die Technik bei unseren Projektautos funktioniert. Die Zeit ist nicht reif, um sie zu verkaufen. Wenn sie je verkauft werden.

ZEIT: Wird Google also doch kein Autobauer?

Urmson: Nein. Wir haben kein besonderes Interesse daran. Es gibt schon viele tolle Autohersteller, und etliche davon kommen aus Deutschland. Die Leute vergessen leicht, wie magisch ein Auto ist und wie komplex es ist, ein Auto zu entwickeln. Es hat 125 Jahre gebraucht, um die Prozesse voll zu verstehen. In den Vereinigten Staaten heißt es jetzt: Silicon Valley gegen Detroit. Die alten "Rost-Jungs" gegen die innovativen IT-Leute, sagen manche. Aber wir wollen lieber mit den Leuten aus der Industrie zusammenarbeiten, um zu wissen, wie sie es machen.

ZEIT: Also will Google kein Konkurrent von BMW oder Mercedes werden?

Urmson: Nein, überhaupt nicht.

ZEIT: Es heißt aber, Google, Apple und andere IT-Firmen könnten in zehn, fünfzehn Jahren Toyota, VW oder General Motors ablösen.

Urmson: Wir wollen mit den besten Leuten aus der Branche kooperieren. Es geht um Partnerschaft. Audi hatte zum Beispiel als erster Google Earth im Auto. Ich und mein Team sind ganz auf das selbst fahrende Auto fokussiert.

ZEIT: Was hat den Netzkonzern Google dazu gebracht, ein technisch so ehrgeiziges Projekt wie das selbst fahrende Auto zu starten?

Urmson: Ich kam 2009 zu Google. Zuvor war ich Professor an der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh. Damals gab es noch kein Android für Smartphones und keinen Chrome-Browser. Uns wurde gesagt, dass es Google hauptsächlich um Innovationen ginge. Sie wollten talentierte Informatiker und Ingenieure gewinnen. Um Dinge zu entwickeln, die die Welt besser machen.

ZEIT: Im Ernst?

Urmson: Das ist ganz ernst gemeint.

ZEIT: Und warum gerade das autonome Auto?

Urmson: Die Entwicklung des selbst fahrenden Autos ist vor allem eine Herausforderung für die Informatik. Wir suchen nach Möglichkeiten, den Verkehr sicherer zu machen und Staus zu reduzieren. In Europa gibt es fantastische öffentliche Verkehrssysteme, in den USA sind sie in der Regel miserabel. Wir wollen Leute wieder mobil machen, die sonst keine Chance dazu haben. Blinde und ältere Leute zum Beispiel. Damit sie wieder rumkommen können. Die Aufgabe meines Teams ist es, ein ganzes Bündel von Problemen zu lösen, um diese Ziele zu erreichen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 10 vom 05.03.2015.

ZEIT: Werden Autohersteller und Softwareunternehmen darüber streiten, wer die Systeme im Auto beherrscht? Wer die Daten speichert und verwaltet?

Urmson: Es gibt schon viele Kooperationen zwischen Autoherstellern, Zulieferern und IT-Unternehmen, wie wir oder Apple eines sind. Die Software im Auto wird immer wichtiger, es wird neue Arten der Partnerschaft geben.

ZEIT: Ist ihr Prototyp des Google Car das beste selbst fahrende Auto auf der Straße?

Urmson: Wir sind noch nicht wirklich auf der Straße. Für unsere Zwecke ist es das Beste, was wir machen können. Aber das Forschungsauto, das Mercedes gerade auf den Autoshows zeigt, ist wunderschön. Als Vision für die Technologie der Zukunft. Was Audi im vergangenen Jahr fertigbekommen hat, ist auch fantastisch. Aber wir haben einen ganz anderen Ansatz – ein Auto, das komplett nur selbst fährt.

ZEIT: Machen Audi oder Mercedes denn etwas anderes?

Urmson: Das sind komplett verschiedene Dinge.