Knapp 30.000 Objekte umfasst die Sammlung des Institutes für Numismatik und Geldgeschichte an der Universität Wien. Stolz verweist man dort darauf, das europaweit einzige selbstständige Universitätsinstitut dieses Faches zu sein. Ganze 22 Studierende, 00,2 Prozent der insgesamt über 94.000 Inskribierten, lockte die Münzkunde im Wintersemester 2013 an.

Ein Orchideenfach, zweifelsohne – und eine prekäre Studienrichtung. Immer wenn an den hohen Schulen die Finanzen besonders knapp sind, dann wird gerne die Existenz all jener akademischen Disziplinen infrage gestellt, die nur für wenige Studierende attraktiv erscheinen oder nicht ins ökonomische Konzept eines auf Effizienz bedachten Universitätssystems erscheinen. Zuletzt stellte vergangene Woche Heinrich Schmidinger, Rektor in Salzburg und Präsident der Universitätskonferenz, in einem Interview mit der Presse Überlegungen an, "ob wir uns Studienrichtungen, bei denen die Nachfrage sehr gering ist, wirklich noch leisten können". Möglicherweise diente die Spekulation dem Philosophen nur als Drohgebärde dem zuständigen Ministerium gegenüber, weil er fürchtet, die Neuregelung der Dienstzeiten der Ärzte an Uni-Kliniken könnte einen großen Teil jener Budgetmittel verschlingen, die den Universitäten zusätzlich zur Verfügung stehen.

Doch Rektor Schmidinger bedient mit seinem vorläufig wohl eher theoretischen Gedankenspiel ein beliebtes Vorurteil. Selbst vielen Akademikern scheint es oft nicht einsichtig, warum sich etwa die Universität Wien Studienrichtungen wie Byzantinistik mit 68 Hörern, Ägyptologie mit 99 Studierenden oder Indologie, Tibetologie und Buddhismuskunde mit immerhin 213 Studiosi leisten soll, wo doch das Geld bei Massenstudien wie Jus (11.840 Studierende) oder Wirtschaftswissenschaften (5.426 Studierende) kosteneffizienter aufgehoben wäre. Diese Meinung vertrat etwa der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser, nach dessen neoliberalem Credo Forschung und Lehre sich ganz dem Primat der Ökonomie unterzuordnen hätten. Vor zehn Jahren schloss sich auch der damalige Rektor der Uni Innsbruck, ein Finanzwissenschafter, dieser Vorstellung an. Er schlug vor, alle Studienrichtungen, die nicht 20 Absolventen innerhalb von fünf Jahren produzierten, einzumotten. Daraus wurde allerdings nichts: Nach diesen Kriterien hätten mit Ausnahme von Geschichte und Kunstgeschichte alle Geisteswissenschaften sowie die slawischen und romanischen Sprachstudien eingestellt werden müssen.

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Es ist purer Populismus, die sogenannten Orchideenfächer, schon dieser Schmähname soll verunglimpfen, als Prügelknaben der politischen Bildungsnot heranzuziehen. Dadurch wird das Banausentum bedient, und es werden die Vorurteile der geistesfeindlichen Boulevardzeitungsleser bekräftigt.

Das Wesen einer Universität liegt jedoch darin, dass an ihr bis in die entferntesten Verästelungen des Wissenslabyrinths vorgedrungen wird. Sie ist nicht ausschließlich eine Maschine, mit der am Fließband Akademiker produziert werden. Sie ist vor allem auch Forschungsstätte. Und in der sind auch Studienrichtungen unverzichtbar, deren Sinnhaftigkeit sich selbst der Mehrheit der Studierenden nicht erschließen mag.