Olga Florentyna aus Jakarta studiert in Bonn NGO-Management – danach will sie etwas für ihr Land Indonesien tun.

Im Internet ist Olga Florentyna überall präsent: auf Twitter, Facebook, Instagram, Linkedin, Tumblr und mit diversen Blogs. Olga, eine 23-jährige Indonesierin mit schwarzen Haaren und dunklen Augen, im traditionellen bestickten Kleid. Olga beim Russland-Festival an der Universität. Olga beim Rosenmontagszug in Bonn. Dann ein Bild von einer verstopften Straße, mit der englischen Aufschrift: "Hör auf, dich über den Verkehr zu beschweren. Du bist der Verkehr!"

Ihre Fotos erzählen die Geschichte ihres Weges von spaßigen Postings zum sozialen Engagement im Netz. Von der Zehn-Millionen-Metropole Jakarta ins beschauliche Bonn. Vom Bachelor in Russistik bis zum MBA-Programm CSR & NGO Management an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Es ist ein anspruchsvolles Studium. Gerade ist Prüfungsphase. Für ein Treffen hat sie keine Zeit, aber ein Skype-Telefonat ist dann doch drin. Olga Florentyna erscheint auf dem Bildschirm, sie sitzt in ihrer Bonner Wohnung, die sie mit ihrem Freund teilt. Sie trägt einen weißen Wuschelpulli. Ihre Hände sind beim Reden immer in Bewegung. Sie spricht Englisch mit weichem Akzent, manchmal auch Deutsch mit eingestreuten englischen Wörtern.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 12.03.2015.

In ihrem Studiengang geht es neben Businessplänen und Bilanzen auch darum: Wie kommt eine Nichtregierungsorganisation an Geld? Wie bringt man kenianische Bauern dazu, einen Regenwasserkollektor zu benutzen? Und wie können Unternehmen soziale Verantwortung lernen?

Das dreisemestrige Teilzeitprogramm läuft seit fünf Jahren und ist gefragt; nur jeder vierte Bewerber wird genommen. Zur Zielgruppe zählen Mitarbeiter sozialer Organisationen oder sozial orientierter Unternehmen und solche, die es werden wollen. Der Standort in Sankt Augustin und Rheinbach nahe Bonn ist kein Zufall. In der ehemaligen Bundeshauptstadt sitzen an die 170 Nichtregierungsorganisationen von Amnesty International bis zur Welthungerhilfe, dazu etliche Abteilungen der UN. Auch deshalb entschied sich Olga Florentyna für dieses Studium. In Jakarta hatte sie schon für deutsche Unternehmen gearbeitet und die Arbeitskultur ein wenig kennengelernt. Ein weiterer Grund waren die im internationalen Vergleich geringen Gebühren von insgesamt 10.000 Euro.

Viele MBA-Anbieter nehmen inzwischen Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Lehrpläne auf oder bieten spezielle Programme an, an der Leuphana Universität in Lüneburg etwa kann man "Sustainability Management" studieren, an der Universität Genf einen "International Organizations MBA" absolvieren. Sie reagieren damit auf einen Trend: Bis vor einigen Jahren gingen MBA-Absolventen meistens zu einer Investmentbank oder ins Management eines Großkonzerns. "Jetzt suchen sich die Studenten auch andere Felder", sagt Detlev Kran, Autor des Handbuchs Der MBA- und Master-Guide .