"Meine Frau hat gesagt: Mach mal!"

DIE ZEIT: Herr Bürgermeister, wann haben Sie zuletzt Sport gemacht?

Olaf Scholz: Ich bin gestern vor der Senatssitzung auf der Alster rudern gewesen.

ZEIT: Müssen Sie sich zum Sport überwinden?

Scholz: Nicht mehr.

ZEIT: Sie waren ein sportlicher Spätstarter.

Scholz: Ich war immer ein sehr guter Schüler, aber total unsportlich. Das hat sich erst mit 40 geändert.

ZEIT: Was hat Sie damals zum Sport motiviert?

Scholz: Meine Frau hat gesagt: Mach mal!

ZEIT: Herr Scholz, dies soll ein sportliches Interview werden. Lassen Sie uns ein Match austragen, wir sagen Ihnen Satzanfänge, Sie ergänzen. Erster Satz: Meine Gegner müssen sich warm anziehen, weil ...

Scholz: ... ich eine gute Kondition habe.

ZEIT: Wenn ich Sportler bei den Olympischen Spielen wäre ...

Scholz: ... wäre ich ehrgeizig und würde trotzdem sagen: Es ist das Wichtigste, dabei gewesen zu sein.

ZEIT: Eine gute Mannschaft überzeugt mit ...

Scholz: ... Teamgeist.

ZEIT: Meine Sportsfreunde sind ...

Scholz: Joggen und Rudern sind Sportarten, die man auch alleine machen kann. Ich mache ja keinen Mannschaftssport.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 11 vom 12.03.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

ZEIT: Was sagt das über Sie aus?

Scholz: Nix.

ZEIT: Nächster Satz: Im Fluss bin ich ...

Scholz: Auf dem Fluss bin ich, wenn ich rudere zum Beispiel.

ZEIT: Das war nicht die Frage. Wann sind Sie im Fluss?

Scholz: Beim Schwimmen. Aber das habe ich schon länger nicht mehr gemacht. Beim Rudern habe ich allerdings trainiert, was man macht, wenn man reinfällt.

ZEIT: Und was macht man dann?

Scholz: Das Skiff aufrichten. Die Skulls festhalten. Sich mit dem Oberkörper auf das Ruderboot robben, sich mit beiden Beinen wie auf ein Pferd setzen, erst dann die Beine reinziehen. Sonst kippt man wieder um.

ZEIT: Was mögen Sie am Rudern?

Scholz: Es ist eine tolle Bewegung, man bewegt dabei den ganzen Körper. Außerdem gefällt mir, dass man die Stadt noch einmal ganz neu wahrnimmt. Das historische Hamburg ist ja entlang der Wasserläufe gebaut. Das nimmt man erst richtig wahr, wenn man diese Wege einmal mit dem Ruderboot nachvollzieht. Dann kann man sich vorstellen, wie Männer da früher Lasten transportiert haben.

ZEIT: Wenn mir etwas aus dem Ruder läuft ...

Scholz: Och, das passiert nicht oft.

ZEIT: Ins Schwitzen gerate ich, wenn ...

Scholz: ... ich jogge oder rudere. Nicht in der Politik.

ZEIT: Denken Sie beim Sport an Politik?

Scholz: Nö, ich denke überwiegend an nichts.

ZEIT: Das glauben wir Ihnen nicht.

Scholz: (lacht laut)

ZEIT: Bei meinen letzten Bundesjugendspielen ...

Scholz: ... war ich ganz schlecht. Meine Sportlehrer würden sich wundern, wenn sie meine heutigen Aktivitäten betrachten.

ZEIT: Wie oft machen Sie Sport?

Scholz: Ich gehe einmal in der Woche rudern, zweimal laufen. Klappt ganz gut. Muss aber in den Kalender geschrieben werden, weil das sonst untergehen würde.

ZEIT: Sportsgeist bedeutet für mich ...

Scholz: ... Gelassenheit und Fairness.

ZEIT: Meine bitterste Niederlage war ...

Scholz: Da ich nicht nachtragend bin, vergesse ich die immer wieder.

ZEIT: Letzter Satz: Ich bin ein guter Verlierer weil ...

Scholz: ... man nicht immer gewinnen kann. Es ist gut, sich darüber klar zu sein und gelassen zu bleiben.