Der Frauenanteil in der Wissenschaft steigt langsam.

Der Anteil der Frauen in der Wissenschaft steigt in Deutschland stetig. Aber es sind immer noch viel zu wenige, die an den Hochschulen richtig Karriere machen.

2013 betrug der Anteil der Professorinnen an den deutschen Hochschulen 21,3 Prozent. Dabei gilt: Je höher die Besoldungsgruppe, umso niedriger ist der Frauenanteil (38 Prozent bei Juniorprofessuren, 16,5 Prozent bei C4/W3-Professuren, Stand 2012). In den Hochschulleitungen gab es 54 Rektorinnen und Präsidentinnen, das entspricht einem Anteil von 14,5 Prozent. So steht es im Bericht Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung, den die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) jährlich veröffentlicht.

In den außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist das Bild ähnlich trübe. Im Jahr 2013 lag der Frauenanteil in Führungspositionen dort bei 13,5 Prozent. Wobei es hier große Unterschiede zwischen den Organisationen gibt. So betrug die Quote bei der Max-Planck-Gesellschaft 19,8 Prozent, bei der Leibniz-Gemeinschaft 15,8, bei der Helmholtz-Gemeinschaft 12,7. Bei der Fraunhofer-Gesellschaft waren es lediglich 4 Prozent.

Nach einem Bericht der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2012 war nur jeder vierte der wissenschaftlich Beschäftigten in Deutschland weiblich. Im Ranking der 27 EU-Länder bedeutet das den vorletzten Platz.

Dabei ist zum Studienstart noch alles ausgewogen: Rund die Hälfte der Studienanfänger in Deutschland sind Frauen. Bei den Absolventen übersteigt ihre Zahl sogar die der Männer. Auch während der Promotionsphase herrscht noch Gleichgewicht. Große Unterschiede gibt es hier lediglich bezogen auf einzelne Fächergruppen: In Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften liegt der Frauenanteil bei 58 Prozent, in den Ingenieurwissenschaften nur bei 17,7 Prozent.

Der große Schwund setzt also erst später ein – in der Zeit nach der Doktorarbeit. So lag der Frauenanteil bei den Promotionen im Jahr 2012 bei rund 45 Prozent, bei den Habilitationen nur noch bei 27 Prozent.

Aber wieso werden so wenige Frauen Professorinnen? Liegt es nur an der schlechten Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Familie? Nein. Auch "Old-Boys-Netzwerke" spielen laut Kritikern eine Rolle: In den Verfahren, in denen Professuren vergeben werden, sind männliche Bewerber im Vorteil, weil in den Kommissionen hauptsächlich Männer sitzen und die eher die – ihnen ähnlichen – Männer auswählen.

Um mehr Geschlechtergerechtigkeit herzustellen, gibt es seit einigen Jahren zahlreiche Förderprogramme für Frauen. Vorneweg das Professorinnenprogramm, aufgelegt von Bund und Ländern, gestartet 2008. Laufen soll es bis 2017, das Gesamtvolumen beträgt 300 Millionen Euro. 169 von 238 staatlichen Hochschulen haben sich erfolgreich beteiligt und Gleichstellungskonzepte umgesetzt, 348 Professuren wurden damit gefördert.

Auch die großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen haben Förderprogramme. Zudem gibt es AcademiaNet, eine Internetplattform, die die Profile hervorragender Wissenschaftlerinnen sammelt, und so der Ausrede ein Ende setzt, es habe sich keine qualifizierte Frau gefunden.

Es tut sich also viel. Nur: Es geht im Schneckentempo voran. Denn den Vorgaben fehlt es an Verbindlichkeit. Es hat keine Konsequenzen für eine wissenschaftliche Einrichtung, wenn der Plan, den Frauenanteil zu erhöhen, nicht erfüllt wird. Kritiker schlagen deshalb vor: Wer das Ziel nicht erreicht, soll weniger Fördergelder bekommen.

Davon abgesehen gibt es auch Zahlen, die Mut machen: So steht im GWK-Bericht, dass Frauen bei Bewerbungen auf Professuren zwar unterrepräsentiert sind (30 Prozent), ihre Erfolgsquote aber höher ist als die der Männer. Jede 18. Frau, die sich bewirbt, erhält einen Ruf, aber nur jeder 23. Mann. Und wer 20 Prozent Professorinnen wenig findet – 2002 waren es laut Statistischem Bundesamt nur 12 Prozent.