Ja, die Hamburger haben sich diese Chance verdient, all die Olympiabegeisterten, die wieder zu kleinen Kindern wurden: der entflammte Innensenator, der bei der Präsentation in Frankfurt vor der Spitze des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) auch noch mit Feuereifer von seiner Stadt schwärmte und immer weiterredete, als die Präsentation auf dem Laptop hakte. Der Mann in der Handelskammer, der nie aufhörte, von den Spielen zu träumen, auch wenn seine Kollegen über ihn lachten. Die Gründer des Miniatur-Wunderlandes, die 20.000 Menschen im Nieselregen zum Fackelzug an die Alster lockten. Sie haben es verdient, sich weltweit bewerben zu dürfen um die Spiele 2024, weil ihre Begeisterung ansteckend war, auch für das Präsidium des DOSB.

Allerdings ist die Zeit für Begeisterung auch schon wieder vorbei. Euphorie trägt nur über kurze Strecken. "Das ist heute nicht der Zieleinlauf, sondern der Startschuss für einen langen Marathon", sagte Innensenator Michael Neumann schon wenige Minuten nach der Verkündung.

In jedem Marathon kommt irgendwann der Mann mit dem Hammer, der Punkt, an dem der Schmerz eintritt, an dem die Schritte wehtun. Auf die Hamburger warten in den nächsten Jahren sieben olympische Prüfungen, die sie überstehen müssen, wenn sie im Sommer 2017 in der peruanischen Hauptstadt Lima auch den Zuschlag des IOC erhalten wollen für das größte Sportspektakel der Welt. Ohne Schmerzen wird es nicht gehen.

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 12 vom 19.03.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Erste Prüfung: Einen Marathon in Sprintgeschwindigkeit absolvieren

"Ambitioniert" nennt Senator Neumann den Zeitplan. "Das wird ein Ritt über den Bodensee", sagt ein Insider. Klar ist: Die Hamburger müssen lossprinten, um alle Hürden zu überspringen, die vor einer Kür zur Olympiastadt stehen. Schon kommenden Dienstag reist der DOSB an, um die nächsten Schritte zu besprechen: Bis 15. September muss die Bewerbung offiziell dem IOC gemeldet werden. Bis 8. Januar 2016 muss das sogenannte Mini-Bid-Book fertig sein, das erste Bewerbungsdossier, in dem die Grundvoraussetzungen abgefragt werden: Stadienkapazitäten, Hotelbetten und so weiter. Erst nach bestandener Prüfung darf sich Hamburg "Candidate City" nennen. Ein Jahr später, im Januar 2017, muss das Bid-Book fertig sein, das große Bewerbungsdossier, an dem die Stadt gemessen wird.

Zweite Prüfung: Das Team aufbauen

Dieses Rennen ist mit der bisher vierköpfigen Projektgruppe in der Innenbehörde nicht zu gewinnen. Hamburg muss mit dem DOSB zügig eine "Bid-Company" gründen, eine Bewerbungsgesellschaft. Anfangs werden es 20 Mitarbeiter sein, später eher 50. Gesucht sind Profis mit internationaler Wettkampferfahrung. Dazu kommen private Planungsbüros, die zum Beispiel das Verkehrskonzept und den Masterplan für das Olympiagelände ausarbeiten. Das kostet eine Menge Geld: Bis zur Entscheidung in Lima wird die Bewerbung voraussichtlich 50 Millionen Euro verschlingen. Die Hälfte davon soll der Steuerzahler tragen. Die andere Hälfte, gerne auch mehr, soll freiwillig aus der Wirtschaft fließen – eine große Aufgabe für den obersten Spendensammler Alexander Otto.

Dritte Prüfung: Die Bürger gewinnen

Spiele in Hamburg wird es nur geben, wenn die Bürger zustimmen. Ein Referendum ist fest versprochen – nur wann wird es stattfinden? Und wie wird es aussehen? Bis zum Abgabetermin der Bewerbung am 15. September wird es extrem knapp, weil davor die parlamentarische Sommerpause liegt. Es könnte also auch Oktober werden. Bislang fehlen der Stadt jedoch Regeln, wie so ein Referendum überhaupt abzulaufen hat. Die Parteien rätseln: Reicht ein einfaches Gesetz? Oder soll es gleich eine Verfassungsänderung sein? Die würde dem Referendum mehr Gewicht geben, es für die Olympiagegner weniger angreifbar machen, sie würde aber auch länger dauern. Die Parlamentarier müssen sich jetzt sputen.