Es war Anfang März, als Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund, eine verwegene Hoffnung äußerte. Das Pokalspiel seines Clubs in Dresden stand an, gegen Dynamo. Klopp sagte: "Dresden ist eine wunderwunderschöne Stadt, die ständig durch irgendwelche komischen Dinge in Verruf gerät. Ich weiß gar nicht, ob da Pegida noch rumrennt oder nicht. Ich hoffe, nicht!"

Kurz darauf traf der BVB in Dresden ein, und ein Pegidist der ersten Stunde rannte direkt vorm Hotel des BVB herum. Denn nach ZEIT-Informationen war ausgerechnet einer der Pegida-Gründer, der Security-Mann Achim Exner, damit befasst, den Aufenthalt der Borussia in Dresden abzusichern. Fast überall, wo die Spieler sich blicken ließen – ob vorm Teamhotel Taschenbergpalais oder auf dem Trainingsgelände –, war Exner als Security-Mann dabei. Er habe, wie er der ZEIT gegenüber behauptete, den Sicherheitstrupp rund um das BVB-Team gar angeleitet. "Ich habe die Bewachung des BVB organisiert und durchgeführt. Ein ganz normaler Job", sagt Exner. Mit Fußballteams hat er Erfahrung: Früher, Jahre vor Pegida, war er Sicherheitschef von Dynamo. Bei Pegida war er dann einer der wichtigsten Männer hinter Anführer Lutz Bachmann, bis er die Bewegung, vor wenigen Wochen, nach einem Richtungsstreit verließ.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT-im-Osten-Ausgabe Nr. 12 vom 19.03.2015.

Nun sieht man ihn auf vielen Videos und Fotos, die die Borussia in Dresden zeigen: Exner, wie er Fans dirigiert, die Autogramme von Mats Hummels ergattern wollen. Exner, wie er den Mannschaftsbus einweist. Exner sagt, er habe den Torwart Roman Weidenfeller im Auto chauffiert, Jürgen Klopp den Neumarkt als Pegida-Ort gezeigt. Gesagt, wer er sei, habe er nicht. So ahnte der BVB nichts vom Vorleben seines Begleiters. "Wir wussten vorab selbstverständlich nicht, dass einer der Pegida-Gründer Teil dieses Sicherheitsdienstes ist", sagt Sascha Fligge, Sprecher der Borussen. "Hätten wir es gewusst, hätten wir spontan Geschichte-Nachhilfeunterricht angeboten und das Reisebüro gebeten, ein anderes Unternehmen zu beauftragen." Aber, so Fligge: "Man kann im Leben nicht alles und jeden geheimdienstartig durchleuchten." Sein Club stehe für Vielfalt und Toleranz, "Jürgen Klopp hat Pegida während der Tage im wunderschönen Dresden mehrfach in aller Deutlichkeit kritisiert".

Eine Absicht lag jedenfalls offenbar nicht vor. Nach ZEIT-Informationen sind dem Reisebüro des BVB mehrere Dresdner Dienstleister empfohlen worden, einer sei beauftragt worden. Dieser wiederum habe dann Exner beschäftigt.

Nach dem Spiel, Dortmund war Sieger, lobte Klopp Dresden erneut. Der Rasen im Stadion sei zwar eine "Frechheit", aber die Stadt? "Ich bin heute Mittag einmal durchspaziert, ein Traum." Klopp ahnte es nicht, aber Pegida war ihm ganz nah gewesen.