KinderZEIT: Herr Haszprunar, wie kommt eine Tierart zu ihrem Namen?

Gerhard Haszprunar: Eine Tierart hat meistens viele Namen. Sie heißt in jeder Sprache anders, und sogar innerhalb eines Landes gibt es Unterschiede: Das Eichhörnchen nennt man in Bayern zum Beispiel Eichkätzchen oder auch Oachkatzl. Weltweit einheitlich ist aber bei jedem Tier der wissenschaftliche Name. Der ist lateinisch oder griechisch.

KinderZEIT: Wer sucht die Namen aus?

Haszprunar: In der Alltagssprache setzt sich oft einfach irgendwann ein Name durch, und dann bleibt es dabei – auch wenn er, wie beim Ohrwurm, überhaupt nicht zum Tier passt. Den wissenschaftlichen Namen darf immer der Forscher festlegen, der diese Tierart entdeckt. Das ist so wie Familien- und Vorname: Im Namen muss die Gattung vorkommen, also die größere Gruppe, zu der das Tier gehört. Dazu darf der Forscher einen Zusatznamen frei wählen. Das ist meistens eine Eigenschaft des Tieres, zum Beispiel die Farbe. Manche ergänzen auch die Gegend, aus der das Tier stammt, oder man widmet das Tier einer Person.

KinderZEIT: Gibt es deshalb Namen wie Darthvaderum greensladeae – der gehört einem kleinen Spinnentier, das nach dem Star Wars-Bösewicht Darth Vader benannt ist?

Haszprunar: Genau. Das kommt raus, wenn Forscher Scherzkekse sind. Es gibt auch eine Vogelspinne, die Stichoplastoris obelix heißt, zu Ehren des Comic-Helden Obelix. Früher hat man ein Tier eher einem König oder Fürsten gewidmet, weil dieser einem Geld zum Forschen gab.

KinderZEIT: Haben Sie auch schon eine Tierart entdeckt und benannt?

Haszprunar: Ja, eine kleine Nacktschneckenart. Rhodope roskoi habe ich sie genannt. Rhodope ist die Schneckengattung, und roskoi steht für Roscoff, eine Stadt in der Bretagne. Dort habe ich das Tier entdeckt. Ich habe also einen ganz klassischen Namen gewählt.

Gerhard Haszprunar, 58, leitet die Zoologische Staatssammlung München.