Ich bin umgezogen. Von Berlin nach Hamburg. Das sind Welten. In Berlin behandeln sie ihre Kinder wie Tiere, in Hamburg ihre Tiere wie Kinder.

Zu der Zeit, als ich noch in Berliner Cafés saß, erzählte mir ein Freund die Geschichte von der Karawane, die mit einem Touristen durch die Wüste zieht. Am dritten Tag wird pausiert. Tourist (verärgert): "Wieso machen wir hier Rast?" Karawanenführer (gelassen): "Weil unsere Seele nachkommen muss."

"Verstehst Du", sagte der Freund, "Is’ wie hier."

In Berlin hat jeder ein Projekt.

Kürzlich saß ich vor einem Hamburger Café, neben dessen Tür zwei Männer standen. Blond, braun gebrannt, teutonisch groß. Einer der beiden hatte einen jungen Hund dabei, der von den anderen Gästen hysterisch geherzt wurde. Die Männer trugen maßgeschneiderte Sakkos und unterhielten sich über Ex-Frauen und das Immobiliengeschäft auf Ibiza.

In Hamburg hat jeder einen Job.

Als alle Immobilien besprochen waren, wollten die Männer ins Café. Hunde waren nicht erlaubt. Der Hundebesitzer guckte mich an: "Bist du noch bisschen hier?" – "Ja." – "Dann pass doch mal auf das Tier auf." – Ich wollte etwas sagen. Mir fiel nichts ein.

Auch ich bin wegen eines Jobs nach Hamburg gezogen.

Meine Seele irrt noch durch die andere Welt.