Das Ereignis, um das es hier gehen soll, wird sich erst nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe ereignen. Das ist ein Problem. Allerdings zeichnet sich schon seit Wochen ab, dass es ein trauriges Ereignis wird. Es geht um die Eröffnung des neuen Gebäudes der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittwoch dieser Woche und die aus diesem Anlass erwarteten Demonstrationen. Tausende Protestler aus ganz Europa und Hundertschaften von Polizisten – möglich, dass es zu Ausschreitungen kommt, möglich, dass alles friedlicher verläuft als befürchtet.

Die Meldungen im Vorfeld verhießen nichts Gutes. Zu hören war von gesperrten Straßen und Kontrollen für die Anwohner, von Bahnen, die ausfallen, von Gastronomen, die ihre Restaurants schließen. Schüler aus der Gegend, die am Mittwoch ihre Abiturklausuren schreiben sollten, wurden auf andere Orte verteilt. Journalisten beschwerten sich, weil die EZB nur eine Handvoll von ihnen zum offiziellen Termin zulassen wollte. Und bereits am Dienstag standen Mannschaftswagen der Polizei in der Innenstadt.

Natürlich darf es zu keiner Gewalt kommen. Doch vieles erinnert fatal an 2013, als Kritiker von Blockupy und ein riesiges Heer von Polizisten aufeinanderprallten. Es gab Verletzte und Festnahmen. Auch heute scheint es dem Staat schwerzufallen, mit dem Widerstand gegen die Rettungspolitik der Notenbanker umzugehen. Und die EZB igelt sich ein, statt sich zur Stadt hin zu öffnen und offensiv auf ihre Gegner zuzugehen. Auch in normalen Zeiten schirmen hohe Zäune das Gelände weiträumig ab. Bei einem Spaziergang sagte eine Freundin neulich, dass ihr die frühere Zentrale in einem alten Hochhaus in der City besser gefallen habe, da sei die EZB mitten im Geschehen gewesen, ohne dass es jemanden gekümmert habe – das sei sehr frankfurterisch gewesen. Da ist was dran. Die EZB muss sich überlegen, wie sie sich der Stadt, die sie mit ihrem spektakulären Bau im Osten neu prägt, wieder annähert.