Eilig klickt sich Robert Henker durch bunte Tortendiagramme. Die Grafiken zeigen die Depots seiner Kunden; die Tortenstücke stehen für Mischfonds und Immobilienfonds, Aktien und Anleihen. Henker sitzt nicht in einem dieser Glastürme in Frankfurt und leitet die Geschicke einer Traditionsbank, sondern hockt auf einem Barhocker in einem kleinen Besprechungsraum über den Dächern von Berlin. Im Stakkato beschreibt Henker die tektonische Verschiebung auf den Finanzmärkten, die Privatanleger unter Druck setzt: "Den Zins ohne Risiko", sagt er, "den wird es auf absehbare Zeit nicht mehr geben."

Mit einer Ausnahme womöglich? Die will Robert Henker bieten. Zusammen mit Marius Schulze, seinem Bruder Stephan und Andre Holdschick hat er 2014 das Portal Cashboard gegründet. Kunden sollen "einfach online Geld anlegen" können, nach drei Mustern und mit einer Zielrendite zwischen drei und sieben Prozent.

Das Besondere: Zwei Prozent Verzinsung im Jahr garantiert Henker jedem Kunden für Einlagen von bis zu 10.000 Euro; außerdem fallen Kosten nur an, wenn der Kunde Gewinne erzielt. Erst dann verlangt Cashboard zehn Prozent Erfolgsbeteiligung.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 13 vom 26.03.2015.

Das Geschäftsmodell ist ungewöhnlich: Die Garantiezinsen zahlen die Gründer aus den Provisionen, die sie von den Anbietern jener Fonds erhalten, in die das Geld ihrer Kunden fließt. Wirtschaftsinformatiker Henker setzt auf die Macht der Computer: Ein Algorithmus identifiziert unter Tausenden Fonds besonders renditestarke. Mit solchen "Algos" hat Henker Erfahrung: Mit Refined Investment baute er bereits ein Portal auf, auf dem Anleger Empfehlungen eines Algorithmus folgen können.

Wie Cashboard wollen viele junge Finanztechnologie-Unternehmen mit "Algo-Banking" die Finanzwelt durcheinanderwirbeln. Vaamo aus Frankfurt etwa verspricht "kinderleichte" Geldanlage mit Renditen zwischen vier und sechs Prozent nach dem Motto: "Lehn dich zurück, und beobachte, wie dein Geld wächst." Anders als Cashboard will es keine Gewinnbeteiligung, sondern berechnet auf das Anlagevolumen bis zu 0,99 Prozent "Service-Entgelt" pro Jahr – plus die Gebühren der Fonds.

Die sogenannten FinTechs setzen darauf, Kunden mit ausgeklügelter Software bessere Angebote zu machen als etablierte Banken. Das bereitet den Instituten Sorgen: Einer aktuellen Studie von Deutsche Bank Research zufolge bieten "die offenen Flanken des Finanzsektors" reichlich Angriffsfläche. Die Banken seien gut beraten, die Konkurrenten ernst zu nehmen. Sie sollten sich den "Herausforderungen des digitalen Strukturwandels stellen", raten die Autoren.

In dieser neuen Welt legt Cashboard-Gründer Henker Wert darauf, dass die Anlageprinzipien seines Start-ups "kein Hexenwerk" seien. Die Depots lässt es von der Augsburger Aktienbank verwalten, die der Einlagensicherung unterliegt. Der Stiftung Warentest reicht das nicht. Sie kritisiert nicht nur, dass der Garantiezins nur ein Marketinggag sei, weil er nur für Anlagebeträge bis 10.000 Euro gelte. Auch die Kapitalgarantie greife nur, solange das Start-up nicht pleitegehe – dann sei zwar das Depot bei der Bank geschützt, sein Wert könne aber unter den Einkaufspreisen liegen.

Pleitegehen: Das hat Henker nicht vor. Er beschäftigt inzwischen zwölf Mitarbeiter und wird nach eigenen Angaben von Kunden fast überrannt. Wie viele genau ihr Geld den Cashboard-Algos anvertraut haben, will er nicht verraten, allerdings verwalte man mehrere Millionen Euro. Jeder zweite Kunde fange klein an und lege dann nach: "Der Deutsche ist vorsichtig", sagt Henker, "aber wenn er mal etwas Neues begonnen hat, dann macht er damit auch weiter."