Was ist ein Minirock? Das ist eine Frage der Perspektive. Wir wissen heute, dass ein solcher bis auf die frivolen Ausmaße eines breiten Gürtels schrumpfen kann. In den Sechzigern, als die Skandalbekleidung für Aufsehen sorgte, war schon mini, was einen Zentimeter oberhalb des Knies endete.

Als damals zeitgleich die ersten "Minicomputer" auf den Markt kamen, war ebenfalls die Perspektive von Belang. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man unter einem Computer einen Saal voller klappernder Relais und glühender Röhren verstanden. Doch der PDP-8, der erste kommerziell erfolgreiche Minicomputer (später: "Personal Computer"), fand im besten Fall sogar Platz auf einem Schreibtisch. Im Jahr 1965 erblickte der PDP-8 das Licht der Schreibtischlampe. 18.000 Dollar kostete er damals. Wer ihm zum 50. Geburtstag gratulieren möchte, sollte nach Stuttgart fahren.

Uni Stuttgart, Fakultät Informatik. Seit 1997 gibt es auf dem Campus ein Computermuseum. Sammlungsleiter ist Klemens Krause, mit 59 Jahren in einer Generation wie viele seiner Exponate. Im Hauptamt ist er Systemadministrator. Seine Leidenschaft ist es, betagte Rechner am Leben zu erhalten. Er hegt die ersten Apple-Rechner, pflegt die erste Computermaus und hält ein komplettes IBM-Rechenzentrum für Lochkartenverarbeitung einsatzbereit. Und das Leben seiner oft noch mit vielen mechanischen Bauteilen ausgestatteten EDV-Geräte verlängert Kruse durch regelmäßige Betätigung.

Der Prä-Personal-Computer aus der Minirock-Ära löst heute Sudokus

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 13 vom 26.03.2015.

Das Geburtstagskind von der US-Firma Digital Equipment Corporation hockt wie ein schwarzer Kühlschrank auf der Tischplatte. Der Fuß des Geräts ist seitlich mit Furnierfolie im Eichendekor verziert, Kippschalter an der Frontseite dienen der Kommunikation mit dem Rechner – in Maschinencode, den man beherrschen und im Kopf haben muss. Obenauf thront ein Schrank mit dunkel getönten Plexiglastüren, die sich wie die Flügel eines Altars ausklappen lassen. Hinter dem rechten Flügel findet man den Prozessor, der mit seinen 1.254 Transistoren für damalige Verhältnisse modern war (heutige Mikroprozessoren rechnen mit Milliarden Transistoren). Wie der Kernspeicher hinter dem linken Flügel funktionierte, kann man sich sogar beim Anblick vorstellen: 49 152 Eisenringe, die sich einzeln magnetisieren lassen, bilden das Gedächtnis. Mit 6 Kilobyte Kapazität ist es winzig, währt dafür aber umso länger. Hätte man einen PDP-8 zur Minirockzeit abgeschaltet, könnte man noch heute Programme aus seinen Ringen starten. Wie sie ohne WLAN oder DVD-Laufwerk in den Minirechner reinkamen? Ein umgerüsteter Fernschreiber tastete Lochkarten aus Pappe ab und fütterte den Rechner mit den Daten, die diese trugen. Um die Programmiersprache der Karten verstehen zu können, benötigte der PDP-8 ein Dolmetscher-Programm ("Compiler"), das Löcher in Maschinencode übersetzte.

Klemens Krause hat selbst Programme für den PDP-8 geschrieben. Eines spielt Schach, ein anderes kann die Sudokus des ZEITmagazins lösen (siehe ZEITmagazin, Seite 50). In etwa 20 Sekunden. Ein Jahr lang hat Krause daran gearbeitet, 3.000 Programmzeilen geschrieben. Alles, damit der Minicomputer noch möglichst lange rockt. Jetzt ist er sauer, weil das Sudoku statt wöchentlich nur noch alle zwei Wochen erscheint.

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