Wer bekommt den "Emirati and JF Signature? Please pick up!", ruft ein Mann hinter der Theke. Ein zweiter rollt dünne Brotfladen, ein dritter bepackt braunen Papiertüten. Die Wände des Schnellrestaurants JF Street Food in Dubai sind mit Graffiti besprüht. Aber JF Street Food ist keine schlichte Falafel-Bude, sondern eine arabische Antwort auf McDonald’s. An Holztischen sitzen junge Menschen, beißen in Wraps, trinken Minzlimonade, essen Salate. Von irgendwoher kommt Popmusik.

Es ist früher Nachmittag, und Mohamed Bitar, Gründer und Geschäftsführer, setzt sich dazu. Bitar trägt seine Sonnenbrille im Haar, Drei-Tage-Bart, Jeans und T-Shirt. In seiner Fast-Food-Kette dreht sich alles um typisch arabisches Essen: frittierte Kichererbsenbällchen, die Falafel, dazu Vorspeisen wie Hummus, Fatusch, Taboulé. Es sind Gerichte, die es in den Ländern des Nahen Ostens und am Golf an nahezu jeder Straßenecke gibt. Dennoch ist JF ein Pionier. Eine Imbisskette, die auf lokale Klassiker setzt – mit dem Konzept stieß er in eine Marktlücke.

Es gibt Firmen, die für Pizza, Fleischklopse, Hühnerteile oder Kaffee weltweit bekannt sind. "Falafel war ein Gericht, zu dem es keine Marke und keine Kette gab", sagt Bitar. Das war seine Chance. 2007 eröffnete der gebürtige Libanese das erste Restaurant in Abu Dhabi, heute gibt es 45 Filialen in zehn Ländern, meist im arabischen Raum. Aber auch in den USA und in Kanada ist die Kette bereits vertreten, in London eröffnete vor Kurzem das dritte JF-Street-Food-Restaurant, in diesem Jahr will Bitar in Berlin und Amsterdam starten.

Burger King, Kentucky Fried Chicken, Dominos, Starbucks und wie sie alle heißen – stets waren es Ketten aus dem Westen, die sich im arabischen Raum ausbreiteten. Vor allem das reiche und internationale Dubai ist voll davon. Jetzt wachsen am Golf heimische Fast-Food-Marken, die ebenfalls global denken. Nach Bitars Falafel-Kette kamen auf den Markt: Manoushe Street mit Fokus auf der gleichnamigen libanesischen Pizzaversion, die Kette Wild Peeta mit der Grillfleischspezialität Schawarma, das Familienunternehmen Operation Falafel mit Essen wie bei Großmutter und zuletzt S’wich, ein Anbieter von Schawarma-Wraps.

Zu den aktuellen Ernährungstrends in Westeuropa und Nordamerika passt die traditionelle arabische Küche perfekt, meint Michael Schäfer vom US-Marktforschungsinstitut Euromonitor. "Frisch, einfach, aromenreich, bekannte Zutaten und dennoch exotisch", so beschreibt er die Marktlücke. "Gerichte wie Falafel und Schawarma haben das Potenzial, so populär zu werden wie bisher der Hamburger." Euromonitor prognostiziert arabischem Fast Food ein hohes Wachstumpotenzial, natürlich von einem heute noch sehr kleinen Umsatzniveau aus gesehen. Mohamed Parham al-Awadhi, einer der Gründer der Shawarma-Kette Wild Peeta, glaubt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis sich arabisches Essen international durchsetze: "Sushi hat auch lange gebraucht, um global zu werden."

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 13 vom 26.03.2015.

Dass Essen aus Nahost im Westen attraktiver wird, zeigte sich auch jüngst auf der Ernährungsmesse Gulfood in Dubai. Mehr als 85.000 Besucher kamen, und viele Aussteller wollen in den Westen expandieren. Denn abgesehen von den Golfstaaten, ist die politische und wirtschaftliche Lage in den Ländern der arabischen Region unsicher bis katastrophal. Dazu kommt die Mentalität der Konsumenten. JF-Chef Bitar musste im Libanon und in Jordanien schon Filialen schließen: "Es gibt hier viel Widerstand gegen kulinarische Innovationen, sein Falafel-Sandwich kauft man im Imbiss um die Ecke, und daran halten die Verbraucher fest."

Nun soll die Kette vor allem in Europa und Nordamerika wachsen, Ziel bis 2017 sind weltweit 310 Restaurants; davon knapp 60 in der Benelux-Region. Auf dem Deutschland-Plan stehen neben Berlin auch München, Hamburg und Köln. Über Finanzen schweigt Bitar, arabische Wirtschaftsmedien berichten von zuletzt zwölf Millionen US-Dollar Umsatz.

Ob JF Street Food ein arabischer McDonald’s werden wolle? Gründer Bitar zerknüllt das Papier seines Falafel-Sandwichs. "Das wollten wir", sagt er. "Aber eine Fast-Food-Kette sein, das ist nicht mehr die Zukunft." Die Zukunft sei "fast casual", ein neuer Typ von Schnellrestaurants, die auf hochwertige Zutaten, hausgemachtes Essen und stylisches Ambiente setzen. In den USA gibt es bereits Beispiele von Firmen, die den Burger-Multis zunehmend Kunden abziehen.