DIE ZEIT: Frau Schönhoff, Sie vermitteln Wohnungen im südlichen Hamburger Umland. Wie läuft das Geschäft zwischen Hanstedt, Hollenstedt und Toppenstedt?

Bettina Schönhoff: Sehr gut. Die Wohnungsnot in Hamburg ist so groß, dass der Druck über die Landesgrenze hinausgeht. Mein Büro ist in Seevetal, direkt an der Stadtgrenze. Vor einem Jahr hatte ich noch Probleme, hier überhaupt eine Besichtigung zu organisieren. Inzwischen gehen die Mieten selbst in Seevetal schon auf bis zu neun Euro pro Quadratmeter. Die Nachfrage ist massiv gestiegen.

ZEIT: Wieso sind Sie dann so wütend?

Schönhoff: Ich bin nicht wütend.

ZEIT: Immerhin rufen Sie die Makler dazu auf, in eine "Kriegskasse" einzuzahlen, aus der Sie die Klage gegen das Bestellerprinzip bezahlen wollen.

Schönhoff: Wir werden mittels einstweiligen Rechtsschutzes dagegen vorgehen. Zurzeit lassen wir in einer Expertise prüfen, ob wir zeitgleich das Bundesverfassungsgericht und den Europäischen Gerichtshof einschalten werden. Dieses Verfahren kostet Geld, dafür rufen wir jetzt zu Spenden auf.

ZEIT: Und, fruchtet der Aufruf? Als sich Ihre Kollegen das letzte Mal eine Protestaktion ausgedacht haben, den großen Maklerstreik im Herbst, hat sich nicht einmal ein Drittel der Kollegen überhaupt an der Urabstimmung beteiligt.

Schönhoff: Ach, so ein Unfug. Mir ist diese Aktion nicht weiter bekannt. Was wir jetzt machen, ist von anderer Dimension: Alleine in den ersten fünf Tagen seit unserem Aufruf haben Makler aus ganz Deutschland 20.000 Euro überwiesen. Und das ist erst der Anfang. Insgesamt wollen wir 100.000 Kollegen anschreiben, bis hoch nach Helgoland. Ab 100 Euro kann jeder mitmachen.

ZEIT: Wie viel Geld brauchen Sie?

Schönhoff: Wir beschäftigen mehrere Fachanwälte, das Verfahren kann bis zu zwei Jahre dauern. Da müssen wir mit Prozesskosten von gut 100.000 Euro rechnen.

ZEIT: Wenn Sie eine Wohnung in Toppenstedt vermitteln, verlangen Sie dann eigentlich genauso viel Courtage wie für eine Wohnung in der Hamburger Innenstadt?

Schönhoff: Die Courtage ist immer gleich hoch.

ZEIT: Also 2,38 Nettokaltmieten.

Schönhoff: Genau.

ZEIT: Warum ist es Ihnen dann so wichtig, dass Ihnen auch weiterhin der Mieter diese Summe zahlt? Das Bestellerprinzip macht Ihnen doch Ihre 2,38 Nettokaltmieten gar nicht streitig. Es sieht nur vor, dass diese Courtage von Juni an von demjenigen bezahlt wird, der den Makler bestellt hat – also in der Regel vom Vermieter. Das kommt für Sie doch aufs Gleiche hinaus.

Schönhoff: Ich möchte eins klarstellen: Ich bin nicht für und nicht gegen das Bestellerprinzip. Ich bin für Gerechtigkeit.

ZEIT: Das müssen Sie erklären. Sie sind nicht gegen das Bestellerprinzip, sammeln aber 100.000 Euro, um dagegen zu klagen?

Schönhoff: Ich kann verstehen, dass es großen Frust unter manchen Mietern gibt und dass viele mit der Umzugsproblematik überfordert sind. Wir Makler kennen ja auch die Zahlen: Jeder zehnte Deutsche ist verschuldet. Und 23 Prozent der Bevölkerung verdienen nur bis zu 1600 Euro brutto. Das sind der Masseur oder die Floristin. Dass diese Mieter Schwierigkeiten auf dem Markt haben, ist uns Maklern doch klar.