Passionierte Radfahrer sind häufig besessen von der Idee, dass ein leichteres Rad sie schneller macht. Da werden auch noch an den Bremsgriffen ein paar Gramm eingespart, indem man teure Karbonfasern verwendet. Im Radrennsport hat der Leichtbau-Wahn den Weltverband UCI veranlasst, ein Mindestgewicht von 6,8 Kilo festzulegen – ein grenzenloses Wettrüsten würde Sportler benachteiligen, die sich die neuesten Hightech-Räder nicht leisten können.

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Denn Gewicht zu reduzieren kostet Geld. Dem Freizeitsportler bieten sich da viele Möglichkeiten, sein Erspartes in Negativ-Kilos zu investieren. Alu statt Stahl, möglichst viel Kunststoff – drei Kilo weniger können so durchaus einen vierstelligen Betrag kosten. Wären ein paar Wochen Diät nicht mindestens genauso wirksam?

Wie das Gewicht die Fahrleistung beeinflusst, hängt stark davon ab, ob man bergauf, bergab oder in der Ebene radelt: Abwärts ist zusätzliches Gewicht sogar eher von Vorteil – es setzt dem bremsenden Luftwiderstand mehr entgegen (ZEIT Nr. 35/09). In der Ebene ist der Luftwiderstand der Hauptbremser. Er hängt aber nur von der Angriffsfläche ab, die Rad und Radler dem Wind bieten. Ein leichteres Rad reduziert den Luftwiderstand nicht, verlorene Körpermasse dagegen verspricht aufgrund einer schmaleren Silhouette ein paar Sekunden Zeitgewinn.

Wirklich relevant wird das Gewicht beim – langsamen! – Bergauffahren. Der Luftwiderstand spielt da kaum eine Rolle, dafür zieht uns ständig eine Kraft bergab, die bei gegebener Steigung proportional zur Masse ist. "Schiefe Ebene" lautet das Stichwort aus dem Physikunterricht. Und diese Kraft errechnet sich aus der Steigung und der Masse des Gesamtsystems (Fahrer plus Rad) – wo die Kilos sitzen, ist dabei völlig egal.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 13 vom 26.03.2015.

Auf wie viel Zeitersparnis kann der Radfahrer hoffen, wenn er abspeckt oder sich ein leichteres Rad zulegt? Auf wenig. Die Sportwissenschaftler Asker Jeukendrup and James Martini haben 2001 in der Zeitschrift Sports Medicine alle möglichen Maßnahmen zur Leistungssteigerung in mathematischen Modellen durchgerechnet. Grundlage war ein 40 Kilometer langer, weitgehend ebener Zeitfahr-Kurs. Ein drei Kilogramm leichteres Rad sparte dabei je nach dem Trainingszustand des Fahrers zwischen 5 und 13 Sekunden ein. Drei Kilo weniger auf den Hüften brachten aufgrund des reduzierten Luftwiderstands mehr Ersparnis, 19 bis 25 Sekunden. Am Berg errechneten die Forscher größere Einsparungen: Auf einer 20-Kilometer-Strecke mit drei Prozent Steigung brachten drei Kilo weniger zwischen 29 und 94 Sekunden Zeitgewinn – und zwar egal, wo das Gewicht reduziert wurde.

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