Lange dachte Lena Wilde, sie habe alles richtig gemacht. Sie verzichtete auf manche Reisen, eine teure Wohnung und ein eigenes Auto, um im Alter mehr übrig zu haben. Sie machte einen Bogen um Aktien und Fonds, um bei der Altersvorsorge keine Risiken einzugehen. Stattdessen entschied sie sich für eine Riesterrente und eine weitere private Rentenversicherung. "Leute, sorgt vor": Das hatte sie immer wieder zu hören bekommen, von Politikern im Fernsehen, von Lehrern in der Schule, von Verwandten zu Hause.

Heute, in Zeiten von niedrigen Zinsen, hohen Immobilienpreisen, einem schwachen Euro und weitverbreiteten Inflationsängsten, ist Lena Wilde unsicher, ob ihre Pläne aufgehen, ob die niedrigen Zinsen ihre "absolut konservativen" Rentenprodukte angreifen und ob der Verzicht von heute ihr wirklich mehr Sicherheit im Alter garantiert.

"Kann es sein", fragt sich die 29-Jährige, die sich bei einer Kommunikationsagentur seit gut einem Jahr auch beruflich mit der Welt des Geldes beschäftigt, "dass ich Geld verliere, indem ich spare und vorsorge?"

Lena Wilde aus Köln ist eine von rund 300 ZEIT-Lesern, die der Redaktion in den vergangenen Wochen ihre drängendsten Finanzfragen geschickt haben (siehe auch Seite 16). Knapp zwei Drittel von ihnen finden, dass Geldanlage in den vergangenen zwölf Monaten für sie wichtiger geworden ist. Die neue Aufmerksamkeit geht einher mit mehr Unzufriedenheit: Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag des Bundesverbands deutscher Banken vom Dezember sind knapp zwei Drittel aller Anleger in Deutschland mit ihrer Geldanlage unglücklich – zwei Jahre zuvor war eine knappe Mehrheit noch ganz zufrieden mit der Wertentwicklung.

Wenn es ums liebe Geld geht, treiben Frust und Fragezeichen die Deutschen um. "Lebensversicherungen lohnen sich nicht mehr", schreibt etwa Martin Reitz, der gerade sein BWL-Studium an der Hochschule Esslingen abschließt. Spricht man mit dem 28-Jährigen, erzählt er von seinen Freunden, die abends beim Bier darüber diskutieren, ob man nun lieber eine Wohnung kaufen oder mieten sollte. Und er schimpft auf die "Finanzverticker", die ihn regelmäßig anrufen, um ihre Produkte an den Mann zu bringen. All das verunsichert junge Menschen wie Reitz, der vor allem eine Frage hat: "Wie sorge ich vor?"

Andere Leser sind ähnlich ratlos: "Altersarmut ahoi!", schreibt eine Leserin mit dem Pseudonym Matillapapp, "im Freundeskreis verabreden wir uns zynisch zu Alters-WGs oder zum gemeinsamen Sprung in die Elbe."

So viel nagt an den Anlegern. "Das Gelddrucken der Europäischen Zentralbank, die vielen Kriege und Unruhen wecken Zweifel in mir, wie ich das Vermögen einigermaßen erhaltend anlegen kann", schreibt ein Leser alias Ottoberger. Und Justus71 berichtet: "Die ganze Familie macht sich mehr Gedanken als je zuvor. Die Unsicherheit durch die Krisen ist enorm, dazu Niedrigzinsen und die wirkungslosen Geldspritzen der Notenbanken."

Ob Lena Wilde, Martin Reitz oder Mattilapapp: Es sind Menschen jeden Alters, die sich um Geld und Zukunft sorgen. Ihnen geht es oft nicht darum, ihr Geld so anzulegen, dass es sich vermehrt – sie wollen vor allem verhindern, dass es von der Kaufkraft her weniger wird. Sie spüren den Druck, etwas mit ihrem Ersparten anfangen zu müssen, und wissen doch nicht, was. Einige Antworten gibt die folgende Titelgeschichte.