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High five!

Im kleinen Besprechungsraum von Zahnarztzentrum.ch an der Goethestraße in Zürich: Thomas und Sara Hürlimann schlagen ein. Es stimmt eben doch! Im Jahr 2014 betraten pro Monat 3872 Personen zum ersten Mal in ihrem Leben eine der 30 Filialen von Zahnarztzentrum.ch. Das sind 46. 460 neue Patienten in einem einzigen Jahr. "Unglaublich, verrückt, der absolute Wahnsinn!" Christoph Hürlimann ist außer sich vor Freude. Stolz, aber auch Verwunderung über den eigenen Erfolg schwingen mit. Ihr Unternehmen hat den 42-jährigen HSG-Absolventen und die 40-jährige Zahnärztin aus Schweden zu Multimillionären gemacht.

Die Hürlimanns stehen für einen fundamentalen Wandel in der Schweizer Zahnarztbranche. Ein Wandel, der sich rasend schnell vollzog.

Noch vor zehn Jahren gingen Herr und Frau Schweizer ein Leben lang zu ihrem Zahnarzt, ließen sich alljährlich die Zähne kontrollieren und, wenn nötig, flicken. Wurde er pensioniert, blieb man der Praxis treu – einfach beim Nachfolger.

Dieser Artikel stammt aus der Schweiz-Ausgabe der aktuellen ZEIT. Sie finden die Schweiz-Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Heute ist die Arbeit am Gebiss ein Geschäft mit internationalen Investoren. Die Erfolgreichen handwerken nicht mehr nur mit Meißel, Bohrer und Spritzen, sondern auch mit Businessplänen und Marketingstrategien. Drei große Ketten streiten sich um das Massengeschäft. Nebst dem Marktführer Zahnarztzentrum.ch sind dies Swiss Smile und in der Westschweiz die Adent Cliniques Dentaires. Sie wurden kürzlich von einer britischen Zahnarztkette übernommen. Bei den Hürlimanns stieg die Private-Equity-Gruppe G-Square aus Paris mit 20 Millionen Franken als Minderheitsaktionärin ein, und bei Swiss Smile ist der schwedische Fonds EQT mit 44 Millionen Franken beteiligt.

Das perfekte Lächeln – es ist ein riesiges Business geworden: Fast 3,9 Milliarden Franken setzten die Zahnärzte 2012 in der gesamten Schweiz um.

Wer wissen will, wie es früher war, muss aus den Städten rausfahren. Zum Beispiel nach Herzogenbuchsee. Im Oberaargauer Dorf mit seinen 7.500 Einwohnern arbeitet seit 27 Jahren Beat Stampfli. Seine Praxis liegt in einer altehrwürdigen Industriellenvilla unweit des Bahnhofs. 1976 wurde Stampfli als Zahnarzt diplomiert, fünf Jahre später übernahm er die florierende Praxis seines Vaters. Nun könnte er sich eigentlich pensionieren lassen. Doch liebt er seinen Beruf allzu sehr und will weitermachen, bis 70: kunstvoll Füllungen platzieren, Weisheitszähne entfernen, für seine Kunden da sein.

Dass seine Branche im letzten Jahrzehnt geradezu umgepflügt wurde, kümmert Doktor Stampfli nicht. Das ist auch gar nicht nötig, denn die großen Kliniken sind noch nicht in der Provinz angelangt. Der Wandel, den Stampfli in seinen 39 Berufsjahren miterlebt hat, ist ein ganz anderer: die unglaubliche Steigerung der Zahngesundheit.

Noch bis in die 1980er Jahre waren die Gebisse voller Lücken, dunkler Zähne, Amalgam und goldener Brücken. All das ist heute Vergangenheit.