Ich mache Überstunden. Viele Überstunden. Irgendwann merkt man es selbst nicht mehr. Man braucht die Außenwelt.

Bei mir sind es Frauenstimmen, die mich informieren: "Leider rufen Sie außerhalb unserer Öffnungszeiten an ..."

Neulich saß ich im Büro, und eine sprach zu mir: "Willst du nicht mal in dein neues Zuhause, statt in diesem Hamsterrad zu sitzen?" Erst dachte ich: Wow, das ist mal eine Ansage! Dann fiel mir auf, dass ich gar keinen Hörer in der Hand hatte. Ich zuckte zusammen – Halluzinationen!

Es war doch nur unsere Sekretärin.

Früher gab es die Stimme meiner Freundin. Wir waren gerade zusammengezogen, ich hatte meinen ersten Job. Als ich zu Anfang noch um neun Uhr abends im Büro saß, klang sie besorgt: "Du arbeitest zu viel!" Nach ein paar Monaten klang sie ärgerlich: "Kommst du nach Hause?" Später war ihre Stimme meist nur laut: "Muss ich alles allein machen?"

Irgendwann gab es keine Stimme mehr.

Mein letzter Chef hatte als junger Journalist einst die Chance, sein Autoren-Idol zu interviewen: Thomas Pynchon. Leider mitten in den Flitterwochen. Er fuhr dann einfach auf der Hochzeitsreise bei Pynchon vorbei. "Du musst dieses Leben teilen!", sagte der Chef zu mir.

Ein halbes Jahr später war er geschieden.

Ich fahre jetzt den Computer runter. Unsere Sekretärin ist schon weg.