Wo sind an den Universitäten der Raum, die Zeit und der Wille für eine Auseinandersetzung mit den richtigen Lehrmethoden? Die Bandbreite der Studierenden ist heute größer denn je, sie unterscheiden sich in ihrer Herkunft wie ihren Leistungen so stark wie Schüler. Doch wo erwirbt man an der Universität die didaktische Expertise, mit heterogenen Lerngruppen umzugehen? Wo sind die Förderangebote für die Schwachen, wo die Herausforderungen für die Begabten?

Von Schule zu lernen hieße, Lehrende auf ihre Aufgaben systematisch vorzubereiten und regelmäßig fortzubilden. Für Lehrer gibt es das Referendariat, sie haben Mentoren an der Seite. Fortbildungen sind Standard. An den Unis wird jeder Doktorand und Postdoc darin geschult, die richtigen Forschungsfragen zu stellen, Forschungsmethoden anzuwenden. Und er entwickelt Professionalität in der Kunst, Drittmittelanträge zu schreiben und zu verwalten. Aber wann bekommt er eine Anleitung dafür, wie er später zu unterrichten hat? Wer begleitet ihn kollegial dabei? Wer sagt ihm, dass seine Vorlesung die Studenten nicht erreicht?

Dass Verschulung ironischerweise sogar in der universitären Lehrerausbildung verpönt ist, verweist darauf, warum es um deren Qualität oft nicht zum Besten bestellt ist. Es würde bessere Lehrer geben, wenn die Lehramtsstudenten die Universität als einen Ort wahrnähmen, an dem man gemeinsam mit anderen in einer inspirierenden und wertschätzenden Atmosphäre lernt. Denn wir wissen (aus der Schulforschung!), dass Lehrer vor allem zu Beginn ihrer Laufbahn eigene Lernerfahrungen reproduzieren – die auch vom Studium geprägt sind. Stattdessen müssen sich zukünftige Lehrer einsam durch ein didaktisch unstrukturiertes Nebeneinander von Themen und Methoden kämpfen – und sich von manchem Pädagogikprofessor erzählen lassen, was guter Unterricht ist, der diesen selbst noch nie praktiziert hat.

Mehr von dem, was Schulen auszeichnet, würde den Studierenden wie den Lehrenden guttun. Mehr Schule würde die akademische Lehre professionalisieren, ja sie überhaupt zum Gegenstand eines wissenschaftlichen Diskurses machen. Diese Aufgabe darf nicht den sogenannten didaktischen Zentren an Universitäten überlassen bleiben, sondern gehört ins Herz einer jeden Disziplin. Das Studium muss die Studienziele inhaltlich und didaktisch so aufbereiten, dass Studenten am Ende wissen, auf welche Fragen das Fach mit welchen Methoden mögliche Antworten geben kann. Sich diesem Bildungsauftrag zu stellen bedeutet, Humboldts Idee der Universität ins 21. Jahrhundert zu übersetzen.

"Verschulung" ist wirklich kein schönes Wort – aber "Mehr Schule wagen" eine wünschenswerte Parole für die Zukunft der Lehre an Universitäten.