Hinter dieses High-Dingsdabumsda muss erst noch das andere", sagt Carlotta, 9 Jahre, und zeigt auf den Bildschirm des Laptops. Antonia, die neben ihr sitzt, schaut auf eine kleine Lampe, die mit einem Rechner verkabelt ist, und runzelt die Stirn. "Die soll blinken", sagt die Achtjährige, "klappt aber nicht." Carlotta tippt wieder auf den Bildschirm: "Ja, weil vor dem High-Dings was fehlt", sagt sie. "9 und ein Komma musst Du schreiben."

High-Dings, Zahlen und Kommas – was die beiden Mädchen da in den Computer tippen, sieht ziemlich wirr aus. "Wir programmieren, das muss so sein", erklären Ethan und Julius, die den Mädchen gegenübersitzen. "Programme sind überall, in Autos, in Videospielen, im Handy", sagt Ethan, "ohne gäb’s die Welt gar nicht."

Programmieren bedeutet, dass man einem Computer sagt, was er tun soll. Zum Beispiel eine Lampe blinken lassen, wie Carlotta und Antonia es gerade versuchen. Nur können sie nicht einfach mit dem Computer reden, er spricht eine eigene Sprache. Viel Englisch braucht man, dazu Zahlen und Zeichen. "Und Groß- und Kleinschreibung ist sehr, sehr wichtig", sagt Stefan, der den Kindern das Programmieren zeigt, "sonst schimpft der Computer." digitalWrite (9, HIGH); bedeutet zum Beispiel "Lampe an". Und die leuchtet nun auch bei den Mädchen.

Antonia, Carlotta, Ethan, Julius und 76 weitere Kinder lernen im Junior Lab in Berlin, wie man Computern Befehle gibt. Fünf Tage lang kommen die Kinder dafür in ein Wissenschafts-Center am Potsdamer Platz und tüfteln mit Lämpchen und Computern, Scannern und Sensoren.

Die Idee zum Junior Lab hatte Sven Ehmann. "Wir sind von lauter Dingen umgeben, die irgendwie programmiert sind", sagt er, "aber die meisten haben keine Ahnung, wie all diese großen und kleinen Computer funktionieren." Auch er nicht. Das fiel ihm auf, als er seine Tochter zur Schule brachte. Jeden Tag liefern sich die beiden ein Wettrennen mit einer Ampel. Nie schaffen sie es weiter als bis zur Verkehrsinsel in der Mitte der Straße. "Wenn ich eine Erfinderin wäre", sagte Lisz eines Tages zu ihrem Papa, "dann würde ich eine schlaue Ampel bauen, die mich sehen kann. Eine, die erst rot wird, wenn ich auf der anderen Straßenseite bin."

Schlaue Idee, dachte Sven Ehmann. Mit einer Computersteuerung müsste das doch locker möglich sein. Aber wie programmiert man so etwas? Das interessierte nicht nur ihn selbst, er fand es auch spannend für seine Tochter und andere Kinder. Gemeinsam mit Freunden schrieb er viele Briefe, sprach Firmen und Forscher an und stellte ein Programm zu Technik und Programmieren auf die Beine: das Junior Lab.

Lisz ist natürlich dabei. Sie sitzt gerade an einer Station, die gar nicht nach Technik aussieht, sondern nach Handarbeits-Unterricht: Auf dem Tisch liegen bunte Garne, Nähnadeln, Stifte und Scheren. "Wir machen Anhänger", erklärt Lisz. Sie hält einen Rahmen mit Stoff in der Hand. "Erst malen wir ein Motiv, dann sticken wir das auf, und später kann man es an eine Tasche machen." – "Ich glaub, es geht aber um Strom", sagt die achtjährige Ruby. "Ja, wir verzieren das noch", sagt Lisz, "mit blinkenden Lämpchen."

Dafür sticken die Kinder mit Garn aus Metall, durch das Strom fließen kann. Statt eines Schalters nähen sie einen Druckknopf an – macht man den zu, schließt sich der Stromkreis, und das Lämpchen blinkt.

T-Shirts mit Leuchtschrift haben einige Kinder schon mal im Fernsehen gesehen. Und Forscher arbeiten zum Beispiel an schlauen Strom-Pullovern für kranke Menschen: Wenn sich jemand nicht gut fühlt, muss er nur die Hand auf eine bestimmte Stelle am Pulli legen, und der gibt Alarm. Wie so etwas funktioniert, können sich die Kinder jetzt ein bisschen besser vorstellen.

"In der Schule lernen wir so was nicht", sagt Lisz über ihre Strom-Stickerei. "Da machen wir nur so was Langweiliges." Dabei zeigt sie auf einen Zettel mit der Zeichnung eines Stromkreises. Plus und Minus sind eingezeichnet, eine Batterie, ein Schalter und eine Lampe. Lisz schaut die Zeichnung an, dann ihre Stickerei, dann wieder die Zeichnung und noch mal die Stickerei. Dann sagt sie plötzlich: "He, das ist ja dasselbe! Nur dass ich mit meinem Anhänger was anfangen kann!"

Stromkreise nehmen alle irgendwann in der Schule durch, aber vieles, was die Kinder im Junior Lab ausprobieren, kommt im Unterricht nicht vor. Programmieren und Informatik ist kein Pflichtfach in Deutschland, man lernt es oft nur in einer AG. Viele sind schon froh, wenn es in der Schule eine Internetverbindung gibt, die nicht ständig zusammenbricht, und überhaupt Computer, an denen man mal im Unterricht arbeitet.

Im Junior Lab können die Kinder auch Technik ausprobieren, die noch ganz neu ist, zum Beispiel kleine Figuren ausdrucken.

Das testet Franz. Er sitzt an einem großen Bildschirm und schiebt Formen hin und her. Ein Roboter soll daraus werden. Im Fernsehen hat er schon mal einen 3-D-Drucker gesehen, nun sitzt er staunend vor dem Gerät und muss vor allem eins tun: sich gedulden. "Der Drucker fährt ganz oft hin und her", sagt Franz, "das dauert voll lange!" Erst wird ein Kunststoff geschmolzen, davon schichtet der Drucker eine dünne Schicht auf die andere. Nach einer Stunde kann Franz seinen Roboter in die Hand nehmen. Er ist so hoch wie sein Daumen lang ist.

Ganz wichtig war den Junior-Lab-Planern, dass die Kinder Spaß mit der Technik haben. Sie programmieren zum Beispiel einen Alarm für Keksdosen, bauen eine schnurrende Papierkatze und machen mit einem kleinen Computer Musik. Bei Maxim und Savoi piept und dudelt es in schrillen Tönen. Maxim, 9 Jahre, tippt konzentriert und sagt: "In dem Text sind die Töne drin." Savoi, 8 Jahre, ergänzt: "Der Computer ist nicht sehr schlau, wir müssen ihm jeden Ton einzeln sagen. Erst dann wird es eine Melodie."

Richtig programmieren lernt man natürlich in einer Woche nicht, vieles schreiben die Kinder einfach nur ab. Doch auch dabei kann man etwas sehr Wichtiges verstehen. "Der Computer sagt dem Gerät hier, dass es Töne machen soll. Der Computer ist der Boss von dem Gerät", erklärt Maxim. "Aber ich, ich bin der Boss vom Computer."

Wann das nächste Junior Lab stattfindet, erfährst du im Internet unter www.juniorlab.de. Weitere Programmier- und Computer-Workshops für Kinder gibt es in ganz Deutschland in der "Code Week" zwischen dem 10. und 18. Oktober. Mehr dazu unter www.codeweek.de.