Es ist eine Gleichung, die allzu viele Schüler verinnerlicht haben. Sie lautet: Mathe brauche ich nach der Schule eh nicht mehr, also wozu soll ich mich da reinhängen? Das Ergebnis der Gleichung: Anschluss verpasst, schlechte Noten, unangenehme Überraschung im Studium, wenn plötzlich doch souveräner Umgang mit Formeln und Statistiken verlangt wird.

Muss das so sein? Oder lässt sich eine Variable der Gleichung ändern und Schülern rechtzeitig klarmachen, wie wichtig Mathematik auch für das Leben nach der Schule ist? Lässt sich so ihre Motivation steigern, ihre Leistung verbessern?

Das wollte ein Team von Tübinger Bildungsforschern um Ulrich Trautwein, Benjamin Nagengast und Hanna Gaspard herausfinden. Das Ergebnis verblüfft – aber der Reihe nach.

Die Wissenschaftler hatten 82 Klassen in Baden-Württemberg ausgewählt, um ihre Studie durchzuführen. Alles 9. Klassen, die Schüler in der Phase beginnender Adoleszenz, in der das Interesse für Schule ungefähr in dem Maße abnimmt, wie es für das andere Geschlecht zunimmt.

Nur jeweils eine Doppelstunde räumten sie sich für den Versuch ein, die Motivation der Schüler zu verändern. In den ersten 45 Minuten vermittelten sie die Bedeutung von Mathematik in Studium und Beruf. In den zweiten 45 Minuten teilten sie zwei Gruppen ein. Eine Gruppe sollte aufschreiben, warum Mathe im weiteren Leben für sie wichtig ist. Der anderen wurden Interviews von jungen Erwachsenen gezeigt, die erzählten, in welchen Lebenssituationen Mathematik für sie wichtig war und ist.

Die Schüler der zweiten Gruppe bekamen auf diese Weise etwa zu hören, dass das logische Denken, das man in Mathe lernt, in vielen Berufen vorausgesetzt wird und dass Mathematik auch in Studienfächern wie Wirtschaftswissenschaften und Psychologie gebraucht wird. Diese Zitate sollten die Schüler in ihrer Bedeutung für die eigene Situation gewichten und bewerten.

Alles in allem ein überschaubarer Eingriff in den Unterrichtsablauf.

Um zu prüfen, wie sich der doppelstündige Motivationsschub auf die Schüler auswirkte, wurde deren Einstellung von den Bildungsforschern per Fragebogen vor und nach dem Eingriff abgefragt. Das Ergebnis: Schüler beider Gruppen hielten Mathematik anschließend für entschieden nützlicher als die Kontrollklasse, in der die Doppelstunde nicht durchgeführt wurde.

Ein Lippenbekenntnis? Nein! Fünf Monate später folgte ein Leistungstest im Rechnen. Hier zeigte sich: Die Gruppe mit Schülern, die in den Erwachseneninterviews die Bedeutung von Mathe verarbeiten mussten, schnitt am besten ab.

Nun müssen es Eltern und Lehrer nur noch schaffen, die Gleichung auch im Alltag zu verändern.