Jeder Minister möchte etwas Bleibendes hinterlassen. Ein Projekt oder wenigstens eine Reform, die mit ihm verbunden wird. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bekommt jetzt die Chance dazu: Macht sie nichts falsch, kann die CDU-Politikerin als große Förderin des wissenschaftlichen Nachwuchses in Erinnerung bleiben. Eine Milliarde Euro will die Regierung nämlich in den nächsten zehn Jahren ausgeben, um die Karrierechancen für junge Forscher in Deutschland zu verbessern. Und Wanka darf das Geld verteilen.

Bedanken für diese Chance kann sich die Ministerin ausgerechnet bei den Gewerkschaften. Wissenschaftliche Unselbstständigkeit und intransparente Entscheidungswege, Stückelverträge von nur wenigen Monaten Kürze und Unsicherheit bis ins fünfte Jahrzehnt der Lebensplanung: Niemand hat diese Missstände länger und lauter beklagt als die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Zu Recht, liegt doch das Erstberufungsalter eines Professors hierzulande bei 41,4 Jahren; nur 7,8 Prozent der Wissenschaftler an deutschen Hochschulen dürfen sich über ein normales Arbeitsverhältnis freuen, also eine feste Stelle mit vollem Stundendeputat. Solche Zahlen sprechen für sich. Dennoch zögerte die Ministerin, dem Problem mit einer eigenen Förderinitiative bundesweit zu begegnen. Gerade noch rechtzeitig hat sie mit etwas Anschubhilfe die Kurve bekommen.

Jetzt kommt es darauf an, die Summe auch zielgerichtet einzusetzen. Denn eine Milliarde Euro, über zehn Jahre verteilt, ist zu wenig, um auch nur einem Bruchteil der über hunderttausend Jungforscher eine faire Perspektive zu geben. Deswegen sollte sich das Programm auf die Besten unter ihnen konzentrieren. Sie müssen spätestens mit Mitte dreißig wissen, ob sie an einer Universität bleiben können.

Tenure track heißt das Zauberwort. Dabei hält die Universität einem hoffnungsvollen Jungforscher quasi eine Dauerprofessur frei. International gilt diese Art der Karriereförderung als Königsweg. Im Detail jedoch ist der tenure track alles andere als einfach mit der deutschen Hochschulbürokratie zu vereinbaren. Das beginnt beim sogenannten Hausberufungsverbot, das eine Erstanstellung an der eigenen Universität untersagt. Auch sind in den starren Stellenplänen Professorenposten auf Vorrat nicht vorgesehen. Ohnehin ist eine Personalplanung, wie sie jede Firma betreibt, dem Unternehmen Universität völlig unbekannt.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 17 vom 23.4.2015.

Hier könnte das Geld vom Bund wie Entwicklungshilfe wirken und den Spitzenwissenschaftlern Karrierewege öffnen. Dem Rest der Jungforscher muss man anderweitig helfen; mit Regelungen, die Stückelverträge verbieten, und festen Stellen jenseits der Professur. Der wissenschaftliche Nachwuchs verdient auch in der Breite mehr Aufmerksamkeit: von den Universitäten, den Landeswissenschaftsministern – und auch von Johanna Wanka.