Radfahrer und Fußgänger © dpa

Radfahrer? Privat echt nett. In freier Wildbahn aber sind einige der Horror. Okay, es gibt auch irre Fußgänger, Autofahrer sowieso. Aber weder die einen noch die anderen fegen einem auf dem Fußweg mit gefühltem Tempo 30 entgegen. Und erwarten, dass man – sich in Luft auflöst.

Ja, spinnen die?

Zumal es einen Radweg gibt. Auf dem sie nicht fahren. Der ist nämlich zu schmal, zu holprig, zugeparkt und endet manchmal mörderisch im Nichts.

Oder es fahren dort schon die anderen Radfahrer. Auf der falschen Seite, unter den lakonischen Blicken der Polizei. Denn die zweirädrigen Teufel sind eh nicht zu erwischen, für die Eins-zu-eins-Überwachung gibt es zu wenige Hubschrauber, und wenn man ihnen nachruft, warum sie auf dem Zebrastreifen gerade fast ein Kind überfahren haben, zeigen sie nur hohnlachend den Mittelfinger. Was soll man tun – ihnen etwa in die Reifen schießen?

Hamburg wurde jahrzehntelang nur für Autos geplant, Radfahrer und Fußgänger pferchte man an den Straßenrand. Das, sagen Verkehrspsychologen, habe die Radfahrer frustriert. Auf die Fahrbahn trauen sich viele dennoch nicht, selbst wo sie das dürften. Und manche verhalten sich gegenüber Fußgängern, "wie die Autofahrer sich ihnen gegenüber verhalten: als der Stärkere", sagt Sonja Tesch von Fuß e. V.

Auch die Fußgänger sind frustriert. Ihren Zorn aber können sie höchstens am nächsten Laternenpfahl auslassen. Stattdessen haben sie gelernt, sich auf Fußwegen so zu bewegen, als durchquerten sie einen Raubtierkäfig: Nicht stehen bleiben! Nicht die Richtung wechseln! Ja nicht zur Seite springen, wenn ein Radfahrer von hinten links so dicht an einem vorbeifetzt, dass der Mantel weht – sonst erwischt einen der nächste, der von hinten rechts kommt.

"Werden Radfahrer und Fußgänger dermaßen zusammengedrängt, bringt das nicht nur das Gute im Menschen hervor", sagt Dirk Lau vom ADFC.

Radfahrer dagegen haben gelernt, nicht zu bremsen. Zumindest nicht für Fußgänger. Sie nötigen sie, notfalls umfahren sie sie. Aber sie bremsen nicht. Lieber rasen sie in ein paar Straßencafé-Stühle.

Wieso nur? Mangelnde Wertschätzung?

"Mag sein. Aber ich lasse mich von Ihnen doch nicht belehren!", empört sich eine Grauhaarige mit Hollandrad und Kirchentagsbrille, steigt wieder aufs Rad und klingelt zwei Rentner aus dem Weg.

Oh doch: Die rot-grüne Koalition unternimmt etwas. Hamburg soll "Fahrradstadt" werden.

Und die Fußgänger?

Kaufen sich besser ein Fahrrad.

Lesen Sie hier die Sicht der Fahrradfahrer auf die Autofahrer