Nach dem tragischen Unglück des Germanwings-Flugs 4U9525 sind einige Wochen ins Land gegangen, wir können uns der Frage der Verkehrssicherheit wieder mit einem kühlen Blick auf die Statistik widmen. Das erste Ergebnis dieser Analyse: Im Jahr sterben rund 1.000 Menschen bei Flugzeugabstürzen, und das bei knapp 60 Millionen Flügen.

Das klingt beruhigend, Fliegen birgt offenbar kein großes Risiko. Aber ist das Flugzeug auch das "sicherste Verkehrsmittel"? Wie stellt man das überhaupt fest?

Ein Flugzeugingenieur würde wohl ausrechnen, wie viele Unfälle sich pro Flugkilometer oder pro Start ereignen (weil die meisten Unfälle beim Start oder bei der Landung passieren). Aus der Sicht des Reisenden spielen andere Fragen eine Rolle, etwa: Werde ich auf dieser Reise verunglücken?

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Es hat sich eingebürgert, die Zahl der Verletzten oder Toten pro Milliarden Personenkilometer als Maß zu nehmen. Dabei wird berücksichtigt, dass ein Flugzeug auf einem unfallfreien Flug mehrere Hundert Menschen sicher über eine lange Strecke befördert, ein Auto aber nur maximal fünf und eher kürzer.

Im Jahr 2011 hat das Statistische Bundesamt diese Werte für fünf Verkehrsmittel berechnet: Pkw, Bus, Bahn, Straßenbahn und Flugzeug. Sowohl bei den Verletzten als auch bei den Getöteten war die Reihenfolge dieselbe. Mit Abstand am gefährlichsten war das Auto (276 Verletzte und 2,9 Tote pro einer Milliarde Personenkilometer), dann folgten der Bus (74/0,17), die Straßenbahn (42/0,16) und die Bahn (2,7/0,04). Und am sichersten war das Flugzeug: 0,3 Verletzte – und so wenige Tote (0,003), dass die Statistiker den Wert auf null abrundeten.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 18 vom 29.4.2015.

Auch im EU-Vergleich bleibt diese Reihenfolge bestehen. Europaweit das allergefährlichste Verkehrsmittel ist das Motorrad: Pro einer Milliarde Personenkilometer sterben 53 Biker. Doch während über Straßenverkehrstote meist nur die Lokalzeitungen berichten, werden Flugzeugabstürze breit in den Medien behandelt.

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