Radfahrer und Auto © dpa

Autofahrer? Privat echt nett. In freier Wildbahn aber sind einige der Horror. Okay, es gibt auch irre Fahrradfahrer, Fußgänger sowieso. Aber kein Vergleich zu den PS-Cowboys, die sich auf Radfahrer stürzen, als wären sie deren natürliche Fressfeinde. Ist man in Vierlande mit dem Rennrad unterwegs, überholen sie hauteng, hupen einem die Ohren so voll, dass man abends zitternd nach einem Helm mit Gehörschutz googelt, spritzen mit der Scheibenwaschanlage. Fehlen nur noch rotierende Rasierklingen an den Seitenspiegeln.

Ja, spinnen die?

Schließlich gehört die Straße nicht ihnen allein. Auch wo es Radwege gibt, dürfen Radfahrer immer häufiger auf die Fahrbahn, weil die Radwege sich nur noch als Saatflächen für Guerillagärtner eignen, vielleicht noch als Holperpiste für die vielen bisher sinnlosen SUVs. Eigentlich könnte man also tauschen: Autos auf den Radweg, Räder auf die Fahrbahn.

Doch in Hamburg hat es Tradition, Radfahrer zu den Fußgängern an den Straßenrand zu pferchen. Dass nun immer mehr Radler wieder auf der Fahrbahn auftauchen, "dafür fehlt vielen das Verständnis", sagt Christian Hieff vom ADAC. Schließlich gibt es schon genug, was stört, stresst, aggressiv macht – Baustellen, Staus, tiefergelegte Opel aus Pinneberg. Und jetzt noch Radfahrer: Kaum hat man einen überholt, ist der Kerl schon wieder vor einem. Hat sich einfach durchgeschlängelt! Diese beneidenswerte Leichtigkeit, mit der die Pedaltreter sich auch über Regeln hinwegsetzen, die provoziert so manchen Autofahrer.

Und erst diese Rennradler, die in Vierlande auf der Straße dahinjagen. Gleich im Rudel und – frecher geht’s nicht – zu zweit nebeneinander!

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 18 vom 29.4.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Doch: Das dürfen sie. Mehr als 15 Radfahrer sind ein Verband. Der darf auch auf die Fahrbahn, wenn daneben ein Radweg verläuft. Mehr noch: Radeln die Ersten bei Grün über eine Ampel, darf der Rest selbst bei Rot noch hinterher. Paragraf 27 StVO!

Aber wenn man es als Autofahrer nun eilig hat ...? Nein, freie Fahrt für freie Bürger, dieses Grundrecht gibt es nicht. "Wir müssen uns daran gewöhnen, auf andere Rücksicht zu nehmen", sagt Christian Hieff.

Außerdem: Auch Autofahrer machen Fehler. Überholen nur eng, weil sie den Abstand nicht richtig einschätzen. Übersehen Radfahrer ganz. "Die meisten", glaubt Dirk Lau vom ADFC, "sind überfordert."

Es gäbe eine Lösung. Studien zufolge passieren weniger Unfälle und beruhigt sich der Verkehr, wenn alle Radfahrer einfach auf der Fahrbahn fahren."

Und Autofahrer, die es dann noch eilig haben?

Kaufen sich ein schnelles Fahrrad.

Lesen Sie hier die Sicht der Fußgänger auf die Fahrradfahrer