Als der saudische Blogger Raif Badawi im Januar öffentlich ausgepeitscht wurde, gab es internationale Proteste – ein Problem für das Königreich Saudi-Arabien, das als Stabilitätsgarant der Region gelten will. Deshalb geht das Regime gegen Badawis Anwalt heimlicher vor: Walid Abu al-Chair soll nicht öffentlich, sondern hinter Gefängnismauern mit Gewalt eingeschüchtert werden.

Seine Ehefrau und die Schwester von Raif Badawi, Samar Badawi, berichten von Schlägen, denen Al-Chair ausgesetzt sei. Zwar habe nicht ein Wärter, sondern ein Mitgefangener Abu al-Chair angegriffen, aber die Familie geht davon aus, dass der Gefangene vom Gefängnispersonal ermutigt wurde, Abu al-Chair zu verprügeln.

Abu al-Chair will sich gegen die Schikanen wehren, die er und seine Mitgefangenen ständig erleiden müssen, und hat sich beschwert, bislang ohne Erfolg. Seit seiner Verhaftung im April 2014 wurde er sechsmal verlegt; zurzeit ist er in einem Gefängnis in der Hauptstadt Riad inhaftiert, Hunderte Kilometer entfernt von seiner Familie in der Hafenstadt Dschidda. Der Anwalt beklagt, dass man ihn beschimpfe und beleidige. Bereits bei einer früheren Gefängnisverlegung wurde Abu al-Chair geschlagen, sodass er tagelang unter Schmerzen litt. In den ersten Tagen seiner Haft war er ständigem Licht ausgesetzt.

Für das Regime ist Walid Abu al-Chair ein Störfaktor: 2008 gründete er die Organisation Menschenrechtsmonitor Saudi-Arabien, um Missstände in seinem Land anzuprangern. Vor Gericht verteidigte er Aktivisten. Für seine Arbeit wurde er schon vor Jahren wiederholt überwacht, kurzfristig festgenommen und verhört. Im vergangenen Jahr war Abu al-Chair der erste Menschenrechtsverteidiger, der von einem Sonderstrafgericht gemäß dem neuen Antiterrorgesetz verurteilt wurde. Den Richtern zufolge soll er unter anderem den Staat geschädigt und die öffentliche Ordnung bedroht haben. Dafür wurde er zu 15 Jahren Haft, einer Geldstrafe sowie einem Reiseverbot verurteilt. Bei der Geburt seiner Tochter Dschud am 24. Juni 2014 durfte er nicht dabei sein. Er sah sie zum ersten Mal während einer Anhörung.

Das Gericht hatte bei seiner Verurteilung eingeräumt, Abu al-Chair könnte bereits nach zehn Jahren entlassen werden, wenn er seine Taten bereue. Anfang dieses Jahres befanden die Richter, dass Abu al-Chair die gesamte Haftstrafe absitzen müsse, weil er sich nicht für seine Arbeit entschuldigen wolle.

GegenSchläge: Dem saudischen Blogger Raif Badawi drohen 1.000 Schläge. Wir berichten über sein Schicksal.