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Die eine wirft sich ihren Kindern zum Fraß vor, die andere tötet überzählige Jungen: In der Tierwelt gehen Mütter oft sehr rational mit ihrem Nachwuchs um, damit möglichst viele überleben. Und manchmal muss sogar das Männchen ran.

Anglerfisch-Weibchen (Ceratioidei): Die Vereinnahmende

Tiefsee-Anglerfische haben ein besonders inniges Sexualverhältnis. Bis zu acht Männchen verwachsen mit der Haut und dem Blutkreislauf des erheblich größeren Weibchens. Stirbt sie, sind auch die klammernden Kindsväter dem Tod geweiht – was aus den Anglerfischeiern wird? Die werden dem Meer und damit sich selbst überlassen.

Seepferdchen-Männchen (Hippocampi): Der Hausmann

Seine Elternzeit dürfte sich das Seepferdchen-Männchen anders vorgestellt haben. Bis zu 1.000 Eier hat ihm seine Frau hinterlassen, seitdem kommt sie nur noch gelegentlich vorbei. Die vielen Eier schließt er in seiner Bauchtasche ein und brütet sie aus.

Totenkopfkäfer-Weibchen (Nicrophorus americanus): Die Skrupellose

Für die perfekte Kinderstube braucht die Totenkopfkäfer-Mutter nur einen Kadaver, etwa den einer Maus. Einmal vergraben, hält sie ihn mit einem antibakteriellen Serum frisch und legt ihre Eier daneben. Sind die Larven geschlüpft, passt die Mutter deren Zahl an die Größe des Kadavers an: überzählige Sprösslinge frisst sie auf.

Haussperlings-Weibchen (Passer domesticus): Die Eifersüchtige

Eine Frau hier, eine Gespielin da – das Haussperlings-Männchen ist der Casanova unter den Vögeln. Dabei lebt es mit der Mutter seiner Kinder in einer lebenslangen Partnerschaft, und die sieht seine Liebeleien eher kritisch: Im Stile der griechischen Göttin Hera verfolgt sie ihren gefiederten Zeus zu fremden Nistplätzen – und tötet seine unehelichen Nachkommen.

Kraken-Weibchen (Octopus vulgaris): Die Aufopferungsvolle

Einen Monat lang bebrütet die Krakenmutter ihre rund 150.000 Eier in einer Höhle. Sie bewacht sie und befächert sie mit Frischwasser. Hat sie selbst einmal Hunger, verschlingt sie lieber einen ihrer acht Arme, als ihre Jungen allein zu lassen. Erst wenn sie schlüpfen, verlässt die Mutter die Höhle – nur um vor Entkräftung zu sterben.

Kellerspinnen-Weibchen (Amaurobius ferox): Die Nahrhafte

Für die erste Mahlzeit im Leben der Kellerspinnen macht ihnen ihre Mutter einen speziellen Leckerbissen: Sie tötet sich selbst und wirft sich ihren Nachkommen freiwillig zum Fraß vor. Dadurch sollen die jungen Spinnen gestärkt ins Leben starten.

Brautenten-Weibchen (Aix sponsa): Die Fordernde

Ein Schritt, ein Sturz, eine harte Landung: Die erste große Prüfung des Lebens stellt die Brautenten-Mutter ihren Jungen gleich nach der Geburt. Sie legt die Eier in eine Baumhöhle, hoch oben im Stamm. Zur Mama kommen die frisch geschlüpften Küken nur, wenn sie springen. Wer nicht hüpft, wird zurückgelassen.

Doppelhornvogel-Weibchen (Buceros bicornis): Die Eingesperrte

Kein Ausflug und kein Besuch – der Platz der Doppelhornvogel-Mutter ist zu Hause, neben ihren Kindern. Damit kein unerwarteter Gast vorbeikommt, lässt sie sich von ihrem Mann zur Sicherheit sogar in einer Baumhöhle einmauern. Dort bleibt sie die gesamte Brutzeit, das Futter reicht ihr Mann durch einen Schlitz.

Johannes Mitterer (Recherche) war Hospitant im Ressort Wissen. Lena Schaffer (Grafik) arbeitet als freie Illustratorin für DIE ZEIT.