In einer Autowerkstatt in der Nähe von Hamburg stehen im November 2014 drei Hermes-Transporter, einer von ihnen hat auf der A 23 einen Unfall gebaut. Die Ladung wird umgewuchtet, ein Paket reißt auf, und heraus fallen Pistolen und Sturmgewehre. Die Werkstatt alarmiert die Polizei.

Die Fahnder observieren die Wagen. Ein Hermes-Transporter fährt nach Süden, einer nach Norden, Hubschrauber heben ab, verfolgen und stoppen sie. Doch die vermeintlichen Schmuggler entpuppen sich als unbescholtene Angestellte mit Fahrtenbuch und Lieferpapieren. Sturmgewehre fahren sie bereits seit 2003 durch Deutschland – im Auftrag der Bundeswehr. Ein Sprecher der Truppe räumt kurz darauf ein, dass zivile Paketdienste auch Luftabwehrraketen vom Typ Stinger ausliefern, mit denen man Flugzeuge vom Himmel holt. Das war bis dato nicht bekannt. Und auch nur beiläufig erfährt man in diesen Tagen aus dem Verteidigungsministerium, dass die deutsche Marine vergangene Woche beinahe ein Fischerboot versenkt hätte. Soldaten im Manöver hielten es für ein Übungsziel.

All das markiert den alltäglichen Wahnsinn einer Armee, die gerade dem Ausnahmezustand entgegentaumelt: Der Skandal um das Problemgewehr G36 verschärft sich immer mehr zum Karriere-Gift für gleich zwei Verteidigungsminister, die aktuelle Amtsinhaberin Ursula von der Leyen und ihren Vorgänger Thomas de Maizière. Und soeben stürzte in Sevilla eine Maschine vom Typ A400M ab – und mit ihr alle Hoffnung, mit diesem so heiß ersehnten Militärtransporter bald eines der drängendsten Probleme der Truppe lösen zu können.

Die Krise erfasst die Bundeswehr ausgerechnet in einem Augenblick, da es auf sie besonders ankommt, auf ihre Tauglichkeit, ihre Einsatzfähigkeit, ihre Effizienz. Denn an der Ostgrenze der Nato schwelt ein extrem gefährlicher Konflikt, vielleicht der gefährlichste seit Jahrzehnten. Doch für dessen mögliche Eskalation sind deutsche Soldaten weder mental noch materiell angemessen ausgerüstet. Mit ihren rund 250.000 Beschäftigten, einem Etat von jährlich rund 33 Milliarden Euro, Materialbestand, Investitionsvolumen und Forschungsmitteln jeweils in Milliardenhöhe hat die Bundeswehr zwar Ausmaß und Struktur eines Dax-Konzerns, doch ähnelt sie mit ihrer bürokratischen Behäbigkeit eher einem Schwermaschinenbaukombinat der untergegangenen DDR. Umfang, Ausstattung und Strategie hecheln einer sich rasant wandelnden Welt hinterher. Kurz: Die Bundeswehr ist hoffnungslos überfordert.

Um zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, muss man zunächst wissen, wie die politische Spitze der Bundeswehr, das Verteidigungsministerium, werden konnte, was sie ist: ein Hocheffizienz-Häcksler für politische Karrieren. Volker Rühe, Rudolf Scharping, Franz Josef Jung, Karl-Theodor zu Guttenberg, Thomas de Maizière: Sie alle betraten das Ministerium als große Hoffnungsträger – und verließen es politisch verzwergt. Außer Peter Struck, dem raubeinigen Sozi, der zum Einstand den damaligen Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan gleich mal duzte, hat in den vergangenen zwanzig Jahren niemand die Amtsführung des Hauses schadlos überstanden. Auch von der Leyen schrumpft bereits. Warum?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 20 vom 13.5.2015.

Gerd Hoofe, von der Leyens Staatssekretär und Weggefährte durch alle Ministerien, erzählt, er habe sich an das Verteidigungsministerium, den Bendlerblock, erst mühsam gewöhnen müssen. Die Leute redeten lauter, klopften entschiedener an die Tür und sagten stets "Herr Staatssekretär". Kommt Hoofe in einen Besprechungsraum, stehen alle um den Tisch und setzen sich erst, wenn der Herr Staatssekretär sich hinsetzt.

Einem anderen Neuling im Verteidigungsministerium fällt auf, wie "unglaublich korrekt, präzise, zuvorkommend" den Hierarchen begegnet werde. In einer ihrer ersten Besprechungen, der sogenannten Morgenlage, habe von der Leyen auf ein Gemälde an der Wand gezeigt und beiläufig gefragt: "Gefällt Ihnen das?" Am nächsten Morgen war es weg. Auf seine Worte müsse man achten, lockeres Plaudern sei kaum möglich, Ironie gar nicht. "Hier wird alles sofort dienstlich."

Ein Dritter im Ministerium kritisiert den Mangel an Selbstbewusstsein. Die Juristen im Innenministerium lebten in dem Selbstverständnis, am nächsten Tag als Anwalt in einer Spitzenkanzlei anfangen zu können. "Unsere Leute sind froh, wenn sie am nächsten Tag noch kommen dürfen."

Hierarchiegläubigkeit, Korrektheitswahn, fehlendes Selbstbewusstsein, all das ist tief eingesunken in die Betriebsphilosophie des Verteidigungsministeriums, dieses Großapparats mit seinem gigantischen Unterbau, seinem Gewusel aus Stäben, Abteilungen, nachgeordneten Geschäftsbereichen und Behörden. Über die Jahre hat eine Mischung aus beflissener Unterwürfigkeit und bräsiger Starre zwei endemische Phänomene hervorgebracht: das Prinzip der organisierten Verantwortungslosigkeit – und das Prinzip der organisierten Ahnungslosigkeit.

Organisiert ahnungslos

"Das wollen Sie gar nicht wissen" und "Das müssen Sie gar nicht wissen" sind Sätze, die im Verteidigungsressort lange Zeit als geflügelte Worte galten. Bis Ursula von der Leyen kam: "Sie will die Dinge kennen, die sie töten können", sagt ein Vertrauter. Als die CDU-Politikerin kurz vor Weihnachten 2013 das Verteidigungsressort übernimmt, will sie über alle heiklen Rüstungsprojekte ständig informiert werden. Rüstungsstaatssekretär Stéphane Beemelmans will etwas anderes: weitermachen wie bisher. Er ist zuständig, er kennt die Details, die Ministerin muss nicht alles wissen. Von der Leyen feuert Beemelmans und versetzt den mächtigen Abteilungsleiter Rüstung, Detlef Selhausen, in den Bereich Fuhrpark. Die Schutzmauer der organisierten Ahnungslosigkeit reißt sie damit ein. Genau das wird jetzt zum Problem.

Im März 2014 erreicht ein Vermerk von der Leyens Büro, der Brisantes beinhaltet: Die Gewährsleute von Heckler & Koch, jener Firma, die das Problemgewehr G36 herstellt, hätten zusammen mit dem frisch geschassten Abteilungsleiter Selhausen versucht, den Militärischen Abschirmdienst auf unliebsame und zu neugierige Journalisten anzusetzen. Diesen Vermerk, mit "lag vor" gekennzeichnet, will die Ministerin, die alles wissen möchte, nie gesehen haben.

Über die Zustände in ihrem Büro wird von der Leyen wohl bald schon einem Untersuchungsausschuss Auskunft geben müssen. Auch de Maizière wird dem Gremium einiges zu erklären haben: zum einen, warum sein Haus dem Parlament gegenüber verkündete, das G36 sei voll einsatzfähig, obwohl erhebliche Zweifel bekannt waren. Und zum anderen, wie es passieren konnte, dass sich unter seiner Führung Spitzenbeamte zum Büttel der Rüstungsindustrie machen ließen. Also: warum er so organisiert ahnungslos war.

Das zweite endemische Phänomen, das Prinzip der organisierten Verantwortungslosigkeit, ist schwerer zu fassen. Im Verteidigungsministerium beschäftigt sich die Abteilung "Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung" mit Rüstungsprojekten. Daneben gibt es aber noch ein "Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr" mit Hauptsitz in Koblenz, kurz BAAINBw. Zum BAAINBw gehören – oder sind diesem nachgeordnet – auch das Planungsamt der Bundeswehr in Berlin-Köpenick, das Amt für Heeresentwicklung in Köln und die Wehrtechnische Dienststelle 41 in Trier.

Insgesamt arbeiten für den BAAINBw-Komplex bundesweit 9.600 Menschen. Sie verhandeln alle Anschaffungen der Armee. Viele von ihnen kennen andere Menschen, die in der Rüstungsindustrie arbeiten. Man geht mal gemeinsam essen, trifft sich bei Lobbyveranstaltungen, telefoniert miteinander. Unter den Lobbyisten, so berichtet ein Insider, der anonym bleiben will, fänden sich zahlreiche ehemalige Generäle, die vorzeitig aus dem Dienst geschieden seien, um ihre Kontakte in die Bundeswehr und das Ministerium nun zum Wohle der Industrie einzusetzen. Am Ende dieser Treffen und Gespräche liefert die Industrie oft Rüstungsgüter, die zu teuer sind und Jahre zu spät ausgeliefert werden.

Will man wissen, warum so viel schiefgeht, zeigt jeder mit dem Finger auf den anderen. In diesem Wust aus Schuldzuweisungen haben die Akteure Verhaltenstechniken entwickelt, durch die das Ausufern von Rüstungsprojekten zur Methode wird. Schlanklügen, Schönmelden und Nicht-rechnen-Können sind die wirkungsmächtigsten.

Schlanklügen geht so: Die Bundeswehr wünscht sich einen neuen Kampfpanzer, den Puma. Das BAAINBw-Wesen nennt nach Rücksprache mit der Industrie die Zahl 285 Millionen Euro pro Panzer. Die "2" vorne stört, eine "1" wäre besser, heißt es aus der Politik, denn der Deal muss nicht nur vom Haushaltsausschuss genehmigt, sondern auch der Öffentlichkeit verkauft werden. Also gehen die Beamten noch mal in sich, rechnen nach, knausern hier, knausern da, und – oh Wunder! – am Ende steht die "1" – und dahinter die Zahl 98,3. Ein Demonstrationsmodell wird gebaut, dann noch eines und noch eines, bis es fünf sind. Keines funktioniert wie erwünscht, als die Serienproduktion beschlossen wird. Erste Tests mit den fertigen Panzern fallen desaströs aus. 2018, so das jüngste Versprechen, soll der Puma einsatzfähig sein, 16 Jahre nachdem er geordert wurde. Vorne könnte dann eine "3" stehen.

Schönmelden geht so: Irgendwer, weit unten im Gedärm der Bundeswehr, stellt fest, dass etwas kaputt ist, schreibt "defekt" auf ein Formular und reicht es weiter. Nun ist "defekt" kein schönes Adjektiv, und darum finden sich auf jedem Schreibtisch, den das Formular auf seinem Weg nach oben passiert, schönere Eigenschaftswörter, solche, die man gern liest, bis der Entscheider "einsatzfähig" vorgelegt bekommt. Das Nach-oben-Wegmelden ist ein großer Sport.

Das Nicht-rechnen-Können geht so: Die Bundeswehr wünscht sich einen neuen Kampfjet. Es sind die achtziger Jahre, die Mauer steht noch. Briten, Spanier und Italiener machen auch mit. Die Jahre vergehen, die Mauer fällt, die Sowjetunion kollabiert. Nun wollen die Italiener dies am Kampfjet – er heißt jetzt Eurofighter – ändern, die Briten das, die Spanier jenes und die Deutschen noch etwas anderes. Die Kosten explodieren, und der Bundesrechnungshof kommt im April 2014 zu der Einschätzung, dem Ministerium "fehlt es an Transparenz über die aufgelaufenen und noch anfallenden Ausgaben". Nur eines ist klar: "Mit dem Eurofighter verfolgt die Bundeswehr das teuerste deutsche Rüstungsvorhaben." Wie teuer genau, weiß niemand. Ausgeliefert sind mittlerweile mehr als hundert Maschinen, nur könnte man sie, wenn man denn wollte, nicht bei Luftschlägen gegen den IS in Syrien und im Irak einsetzen. Die Eurofighter seien derzeit bloß für Luft-Luft-Kämpfe tauglich, heißt es, für Luft-Boden-Kämpfe müsse man nachbessern. Es ist ein bisschen so, als hätte Lionel Messi, der teuerste Fußballer der Welt, nur einen rechten Fuß.

Nachlesen kann man das alles – und noch viel mehr – auf 1.511 Seiten eines Gutachtens der Unternehmensberatung KPMG. Es ist ein Wälzer der Unzulänglichkeiten, ein Kompendium des Versagens. Vier Bände Pleiten, Pech und Chaos. Die neun größten Rüstungsprojekte der Truppe haben die Experten untersucht – und 140 Fehler markiert.

Von der Leyen wird oft dafür kritisiert, dass es in ihrem Umfeld keinen Zivilisten gebe, der das Verteidigungsministerium wirklich kenne, seine Strukturen, seine Traditionen, seine Fallstricke. Die Minister vor ihr hatten solche zivilen Experten, aber was hat es ihnen gebracht? Die Zustände haben sich über die Jahre verschlimmert.

Ein zentraler Grund für das Nichtfunktionieren der Bundeswehr ist vor allem ihr Bemühen, stets funktionieren zu wollen – mithilfe einer allumfassenden Regelungswut. Laut Anlage 9 der Zentralen Dienstvorschrift 10/5 (ZDv 10/5), "Leben in der militärischen Gemeinschaft", ist der Soldat zur "Zahn- und Mundpflege nach allen Mahlzeiten" verpflichtet. Landet er gemäß der Zentralen Dienstvorschrift 37/10 (ZDv 37/10), "Anzugordnung für die Soldaten", in seinem "Feldanzug, 5-Farb-Tarndruck, heiß-feucht" zu einem Auslandseinsatz, stellt der Soldat fest: Die Bürokratie ist längst da. In Masar-i-Scharif, 13 Jahre lang Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan, wurde der Müll getrennt, der Raser geblitzt, die Abgase der Lkw wurden sonderuntersucht.

Ein Bürokratiemonster

Sollte der Soldat im Auslandseinsatz ein Fernmeldegerät provisorisch in ein Fahrzeug einbauen wollen, um nicht im Kampfgebiet aussteigen und zur Ladefläche laufen zu müssen, muss er einen Antrag beim Einsatzführungskommando in Potsdam stellen. Dann wartet er, wie einst seine Kameraden am Hindukusch, bis sieben verschiedene Stellen sein Vorhaben begutachtet haben, um sich ein Nein abzuholen. Grund: Eine provisorische Halterung sei eine Gefahr für Leib und Leben der Besatzung. Fragt der Soldat nach Störsendern, um Sprengfallen zu entschärfen, kann er sich bei Kameraden erkundigen, die 2003 auch schon danach gefragt hatten. Und dann mehr als drei Jahre lang warteten, bis die Sender eintrafen.

Der Bundeswehrapparat unterscheidet nicht zwischen geputzten Zähnen und lebensrettenden Störsendern, nicht zwischen Alltag und Ausnahme. Alles ist immer mit äußerster Akribie geregelt, fein säuberlich niedergeschrieben, abgezeichnet und abgeheftet, damit man es bei Bedarf wiederfinden, nachlesen und damit man nichts falsch machen kann. Das gilt für die Ordnung im Spind wie für die Wartung der Panzerhaubitze, für die Ausbildung der Peschmerga in Nordirak wie für den "Revierreinigungsplan der Gemeinschaftsunterkunft" in Alt Duvenstedt. Die Bundeswehr ist ein Bürokratiemonster, das sich regelmäßig in seinen eigenen Meldeketten verläuft.

Laut einer Studie der Europäischen Verteidigungsagentur EDA standen im Jahr 2011 hinter jedem Bundeswehrsoldaten im Einsatz weitere 35 Kameraden und 15 zivile Mitarbeiter daheim. Bei den Franzosen war das Verhältnis acht plus zwei, bei den Briten neun plus vier. Auch in der laufenden Neuausrichtung bleibt die Bundeswehr unter den Armeen der Welt rekordverdächtig ineffizient.

Im Zentrum dieser Neuausrichtung steht der Umbau von der Verteidigungs- zur Einsatzarmee. Anlass hierfür ist das Bedrohungsszenario, ausgedacht, aufgeschrieben und abgeheftet in den Verteidigungspolitischen Richtlinien vom Mai 2011. Der Tenor: Gefahr entsteht aus allem, aus zerfallenden Staaten und Terrorismus, aus diktatorischen Regimen und kriminellen Netzwerken, aus Migrationsbewegungen, aus Seuchen und Epidemien. Nur durch andere Armeen entsteht anscheinend keine Gefahr. "Eine unmittelbare territoriale Bedrohung Deutschlands mit konventionellen militärischen Mitteln ist unwahrscheinlich", heißt es in der Richtlinie. Infolge dieser Analyse reduzierte die Bundeswehr noch einmal die Zahl ihrer Kampfpanzer auf 225. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges besaß sie mehr als 3.000.

Doch seit Russland die Krim annektiert hat, ist die Sicherheitslage eine andere. Die Bundeswehr reagiert darauf unorthodox: Sie hält am Umbau zur globalen Einsatzarmee fest, will sich aber zugleich wieder stärker auf Landes- und Bündnisverteidigung konzentrieren. Nur mangelt es ihr an allem. Für Übungen der neuen schnellen Nato-Eingreiftruppe in Osteuropa wurden aus ganz Deutschland Panzer abgezogen, die nun bei der Ausbildung fehlen. Die Streitkräftebasis, das Logistikzentrum der Bundeswehr, hat eine Problemliste erstellt: Es gibt zu wenig Waggons, die für den Transport von Panzern geeignet sind, zu wenig Rampen, um die Panzer zu verladen, zu wenig Ketten, um sie zu verzurren. Die Lücke zwischen Wollen und Können ist der eine große Widerspruch, in dem sich die Bundeswehr aktuell verfängt.

Der andere besteht darin, dass unklar bleibt, welche Art von Armee Deutschland am Ende haben will. Die Kanzlerin ist gegen Kampfeinsätze, das Volk ebenso, derweil entsteht Schritt für Schritt eine Truppe für Kampfeinsätze weit weg, während Russland vor der Haustür zündelt. Sicherheitspolitik im Paralleluniversum.

Wer vor dem Verteidigungsministerium in der Berliner Stauffenbergstraße steht, kann hoch oben an der Häuserwand einen Schriftzug lesen: "Gedenkstätte Deutscher Widerstand". Der Weg dorthin führt durch einen Torbogen zum Ehrenhof, zu jenem Ort, an dem am Abend des 20. Juli 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg und drei seiner Mitverschwörer hingerichtet wurden. Man muss nicht selbst Soldat sein, um zu erkennen, dass die vielen Männer und Frauen in Uniform, die täglich fünfzig Meter weiter quicklebendig ins Ministerium wuseln, es schwer haben vor solchen Toten. Damals wollten sie Hitler stürzen – und heute?

Und dennoch: Ausgerechnet zu einer Zeit, da Deutschland mehr Verantwortung in der Welt übernehmen will, präsentiert sich die Bundeswehr als Pflegefall, siech, schlecht ausgestattet und ohne Orientierung.