Eine Moschee in Pakistan © Mohsin Raza/Reuters

Raum 221, Flügel West der Universität Hamburg, hat einiges zu bieten: hohe Fenster, Parkett, bequeme Stühle, vor allem aber viele freie Plätze. "Maximale Teilnehmerzahl 150. 100 Plätze stehen für das Studium generale zur Verfügung", heißt es im Vorlesungsverzeichnis. 34 Studenten finden sich an diesem Mittwoch um 14.15 Uhr ein. Ein Massenfach ist aus den Islamwissenschaften nicht geworden, trotz des kurzen Booms nach dem 11. September. Das ist nachvollziehbar, Arabisch ist noch schwerer, als es sich anhört, und – zum Bedauern vieler Studentengenerationen – Kern des Fachs.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 21 vom 21.5.2015. Lesen Sie im runderneuerten Chancen-Teil auch den Fall eines deutschen Studenten, der sich gegen Vergewaltigungsvorwürfe wehren muss.

Für die Freunde des Studium generale scheint die Anziehungskraft der Hamburger Frühlingssonne größer als die des Propheten. Verpasste Gelegenheit, denn Stefanie Brinkmann, Vertretungsprofessorin, jagt unterhaltsam durch die Geschichte des Vorderen Orients. Es geht um Handel, um Poesie, "ekstatische Weingedichte". Um Machtpolitik: Warum hatte Mohammed in Mekka so viele Gegner? "Alle Gläubigen waren gleich im Islam, das war revolutionär und gefährdete die Stammesaristokratien." Immer wieder geht es auch um die Quellenlage. Vieles wurde erst lange Zeit nach dem Tod Mohammeds verschriftlicht. Was ist echt, was nicht? Erst ein Bruchteil der Handschriften ist ediert.

Brinkmann nutzt für dieses Fach revolutionäre Methoden: Sie zeigt einen ZDF-Beitrag, empfiehlt einen Film der BBC über Mohammed. Waren Journalisten nicht über Jahrzehnte natürliche Feinde des Islamwissenschaftlers? Unwissende, Feinbildschaffer, mit unverdienter Reichweite? Offenbar Geschichte. Es ist 16 Uhr, die Studenten klatschen. Verdienter Beifall.

In unserer neuen Kolumne "Hörsaal", die zeitgleich in der gedruckten Ausgabe der ZEIT erscheint, schildern Autorinnen und Autoren der ZEIT Woche für Woche ihre Eindrücke von Vorlesungen an Hochschulen in Deutschland und im Ausland. Wir sind gespannt auf Ihre Diskussionen.

Falls Ihnen eine besonders spektakuläre Vorlesung auffällt, die wir besuchen sollten, dann freuen wir uns über einen Hinweis an: hoersaal@zeit.de.