Pinneberg: Frauke Runden

Seit Frauke Rundens Kinder das Gymnasium besuchen, lernen sie auf einer Baustelle – und das ist schon lange so. Ihr Ältester geht in die elfte Klasse der Theodor-Heuss-Schule in Pinneberg bei Hamburg. 2016 soll er sein Abitur absolvieren. "Er hat seine Schule noch nie intakt erlebt", sagt seine Mutter. Auch ihr Jüngster, derzeit in der siebten Klasse, werde dieses Glück wohl nicht erfahren. "Gewaltige Summen" müssten investiert werden, erklärt Runden. Der Stadt aber fehle es an Geld.

Die 46-jährige Rechtsanwältin kennt das Finanzloch, sie lebt schon lange in Pinneberg. Ihr gefällt es dort auch: "Wir haben Platz, die kulturellen Angebote der Stadt sind nah, und die Kinder finden es toll" – wären die Schulen nur nicht so marode.

"Wie gut ist die Schule Ihrer Kinder?", haben wir unsere Leser gefragt, und an die 2.900 Eltern haben den Fragebogen auf ZEIT Online bisher ausgefüllt. Viele sind besonders engagiert, so wie Frauke Runden es als stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende ist. Als Sprecherin der Pinneberger Schul-Allianz, einer 2014 gestarteten Initiative von Eltern, macht sie außerdem bei der Stadt Druck für die Schulsanierung. Bald will die Anwältin sogar ihren Anwaltsberuf an den Nagel hängen, um als Coach für Jugendliche zu arbeiten. "Ich glaube, dass in ganz vielen Kindern ein goldener Kern steckt", sagt sie. "Mir ist es immer eine Freude, zu sehen, welche Persönlichkeiten sich da entwickeln."

Die 2.900 Antworten geben einen Eindruck davon, wie viel im Argen liegt an deutschen Schulen. Eltern berichteten von maroden Mauern, stinkenden Toiletten, ausfallenden Stunden und frustrierten Lehrern. Einige beschwerten sich über den hohen Anteil von Ausländern. Manche schrieben, sie sorgten sich wegen der alltäglichen Gewalt.

In der Theodor-Heuss-Schule in Pinneberg sei glücklicherweise nur der Zustand der Gebäude ein Ärgernis, sagt Runden. Wer die Schule besucht, sieht das sofort: Um den Innenhof steht ein Gerüst, die Fassade ist mit Planen verhängt, der Boden voll Sand. Erst wurde die Außenhaut entfernt, dann geschah lange: nichts. "Die Leitungen lagen frei, das Holz vergammelte", berichtet Runden. "Überall schimmelte es." Mit den Jahren stiegen die Sanierungskosten. So wie die Schulden der Stadt.

Mutter Rauke Runden © privat

Doch trotz Staub und Baulärm: Die Mutter würde ihre Söhne auf keine andere Schule schicken, so gut gefällt ihr die pädagogische Arbeit. Vor allem haben es ihr all die Projekte angetan, die Eltern, Lehrer und Schüler neben dem Unterricht noch auf die Beine stellen: Aktionen zum Welt-Aids-Tag, gegen Rassismus und für Pinneberger Kinder aus armen Familien. Es gibt einen schulinternen Sanitätsdienst und eine Theater-AG. Gerade sei ein Willkommensprojekt für Flüchtlinge beschlossen worden, sagt Runden. Die Schülerzeitung habe viele Preise gewonnen. Der Zusammenhalt sei groß. "Das ist ein Schatz, den man sich nicht nehmen lassen will."

Frauke Runden und die Schule ihrer Kinder sind ein gutes Beispiel dafür, was sich trotz allgegenwärtiger Probleme ebenfalls herauslesen lässt aus den Antworten unserer Crowdsourcing-Aktion: Schule kann in Deutschland gelingen – und zwar überall dort, wo engagierte Lehrer, Eltern oder Politiker die Zustände nicht hinnehmen, sondern sich über das gewöhnliche Maß hinaus einsetzen. Schon eine einzelne Person kann die Qualität der Schule verändern.

Wie aber schafft man eine gute Schule? An Orten im Norden, Osten und Süden Deutschlands bekommt man eine Idee davon.