Ein Schimpanse und sein rohes Essen © Ricardo Moraes/Reuters

Am liebsten hätte Felix Warneken den Affen einen Campingkocher hingestellt und sie selbst kochen lassen. Doch im Tchimpounga-Schutzgebiet in der Republik Kongo wurde ihm schnell klar, dass das einfach zu gefährlich wäre. "Hätte einer der Affen die Gasflasche in die Hände bekommen, hätten wir ein Problem gehabt."

So mussten sich der deutschstämmige Psychologe und seine amerikanische Kollegin Alexandra Rosati etwas anderes ausdenken, um die fundamentale Frage zu klären: Können Affen kochen? Und falls ja: Warum tun sie es so selten?

Der berühmte Kanzi, der gerne als schlauster Affe der Welt bezeichnet wird, läuft dabei außer Konkurrenz. Vor einigen Jahren gingen Fotos um die Welt, die den Bonobo-Schimpansen an einem Lagerfeuer zeigen, wie er Marshmallows röstet und Spiegeleier brät. Eine zweifellos beeindruckende Leistung. Andererseits, so argumentierten Forscher, könnte das auch mehr mit Nachahmung und Dressur zu tun haben als mit echter äffischer Kochkunst. Schließlich lebt Kanzi in der Obhut der Primatologin Sue Savage-Rumbaugh im Great Ape Trust in Des Moines, Iowa, und hat sich vieles von Menschen abgeschaut – er versteht einfache Wörter, kann mithilfe von Symbolen kommunizieren, Feuer machen und eben Eier braten.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 23 vom 3.6.2015.

Doch lässt sich von ihm auch auf andere Affen schließen? Oder ist Kanzi die große Ausnahme? Anders gefragt: Wie steht es um die kulinarischen Künste von Affen in freier Wildbahn? Das interessiert auch Anthropologen. Schließlich nimmt das Kochen in der Evolution des Homo sapiens eine Schlüsselstellung ein. Erst der Verzehr gekochter Nahrung, postuliert etwa der Anthropologe Richard Wrangham, habe das menschliche Gehirn wachsen lassen. Aus Gebratenem oder Gegartem sind Nährstoffe viel leichter aufzunehmen als aus rohem Fleisch oder Gemüse. Wer kochen kann, braucht weniger Energie für die Verdauung – und kann mehr in geistige Entwicklung investieren.

Doch wann und wo genau trennten sich die Wege von Mensch und Affe? Mussten die Hominiden erst das Feuer unter ihre Kontrolle bringen und dann die Kochkunst erlernen? Oder waren schon die frühen Menschenaffen geborene Köche, denen zum Tafelglück nur das passende Küchenstudio (sprich Lagerfeuer) fehlte?

Mit solchen Fragen im Gepäck reisten die Psychologen Rosati (von der Yale University) und Warneken (von der Harvard University) nach Afrika, um im Kongo eine Serie ungewöhnlicher Experimente durchzuführen. Diese sollten klären, ob unsere nächsten Artverwandten zumindest theoretisch zum Brutzeln in der Lage wären.

Laut der Studie des Psychologenpaares, die soeben in den Proceedings of the Royal Society veröffentlicht wurde, lautet die Antwort eindeutig: Ja, Affen könnten im Prinzip kochen. Zumindest bringen sie dazu alle Voraussetzungen mit.

Erstens zeigen die Schimpansen eine klare Präferenz für gekochte Süßkartoffeln; diese essen sie deutlich lieber als rohe Knollen. Zweitens sind sie durchaus bereit, eine Weile auf ihr Essen zu warten und es nicht roh zu verspeisen, wenn sie es dafür gekocht bekommen. Drittens scheinen sie auch zu verstehen, dass beim Kochen eine Umwandlung stattfindet. Dazu packten die Forscher die rohen Kartoffelstückchen in einen speziellen Topf mit doppeltem Boden, der durch geeignetes Schütteln eine gekochte Kartoffel lieferte.