Ein guter Lehrer fällt nicht vom Himmel. Die wenigsten der rund 800.000 Pädagogen in Deutschlands Klassenzimmern sind Naturtalente. Unterrichten ist ein Handwerk, das sich erlernen lässt. Wer sich über unfähige Lehrer beschwert, sollte deshalb fragen: Wer hat sie ausgebildet? Wer hat versäumt, ihnen beizubringen, wie man Rechenwege verständlich erklärt, Schüler für Literatur und Musik begeistert, Begabungen nicht verkümmern lässt?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 24 vom 11.6.2015.

Die universitäre Ausbildung von Lehrern steht in Deutschland seit Jahren in der Kritik. Das Studium bereite nicht adäquat genug auf die Anforderungen des Berufes vor, heißt es. Lehramtsstudenten fühlten sich in den Fachwissenschaften wie das fünfte Rad am Wagen, büffeln Wissen, das sie später nie wieder brauchen. Um das zu ändern, wurden an fast 80 Universitäten Zentren für Lehrerbildung und sogenannte Schools of Education eingerichtet. Sie sollen quer zu den universitären Strukturen die übergreifenden Belange angehender Lehrer vertreten und Anwalt ihrer Interessen sein.

Die Arbeit von zehn dieser Zentren hat die Telekom-Stiftung für ihre aktuelle Studie Strukturen und Status der Lehrerbildung, die der ZEIT exklusiv vorliegt, nun untersuchen lassen. Wissenschaftler der Universität Münster haben dafür Führungskräfte und Studierende befragt. Das Fazit: Die Zentren sind einem Großteil der Studenten immerhin bekannt und werden geschätzt. Sie arbeiten vor allem dann gut, wenn es um Beratungs- und Serviceaufgaben geht, um die Koordinierung von Praxissemestern, um Prüfungsangelegenheiten, um Akkreditierungen.

Geht es aber um inhaltliche Veränderungen, etwa um die Frage, was ein zukünftiger Lehrer wirklich wissen muss, wenn er Biologie und Physik lediglich unterrichten, niemals jedoch in diesen Fächern forschen möchte – dann zeigt die Studie: Diese Auseinandersetzung mit den Fachwissenschaften vermeiden die Zentren lieber. Abgestimmte Curricula gibt es nicht. Fachwissenschaften, Fachdidaktik und Bildungswissenschaften entscheiden häufig völlig unabhängig voneinander, welche Anteile sie in die Lehrerausbildung einbringen.

Der Einfluss der Zentren bleibt also begrenzt. Sie agieren risikolos und setzen kaum eigene Impulse, obwohl sie steuern und entscheiden sollen, wie sich die Bildungspolitik das ursprünglich wünschte.

Außerdem macht im Moment jedes Zentrum das, was es für richtig hält. Eine klare, gemeinsame Strategie für die Großbaustelle Lehrerbildung fehlt: Wie lassen sich einheitliche Standards setzen, wie lässt sich sicherstellen, dass die neuesten Forschungsergebnisse direkt in die Ausbildung der Lehrer einfließen?

Die Studie zeigt: Die Zentren brauchen mehr Macht. Für echte Reformen brauchen sie vor allem aber – mehr Mut!