Diesen Tag hat sich der 1. FC Magdeburg ersehnt. Ein Vierteljahrhundert lang spielte der einzige Europapokalsieger der DDR im unterklassigen Fußball. Am 31. Mai 2015 war die Leidenszeit vorbei. Mit einem Sieg gegen die Kickers Offenbach schaffte die Mannschaft den Aufstieg in Liga drei und damit ins Fußball-Profitum. Fans und Verein feierten. Nach dem Schlusspfiff zogen sich die Spieler ihre Aufstiegstrikots über. Darauf stand: "Der Osten rockt die Liga 3, der FCM ist mit dabei."

Die Magdeburger sind die achte Mannschaft aus den neuen Ländern, die in der nächsten Saison in der dritthöchsten Spielklasse antreten werden. Damit kommen 40 Prozent der Vereine aus dem Osten. Das gab es in einer Profiliga seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Die Konstellation führt zu zahlreichen Derbys und vollen Stadien. In den Medien wurde die Ansammlung der Traditionsclubs schnell auf eine euphorische Formel gebracht: die Renaissance der DDR-Oberliga.

Doch die Neuauflage der Top-Spielklasse der DDR wird zwiespältig gesehen. Für viele Beobachter ist es bezeichnend, dass sich die Ostclubs in der Drittklassigkeit sammeln. In den oberen beiden Ligen sind nur zwei Vereine übrig: Union Berlin und RB Leipzig.

Rainer Milkoreit ist besorgt über diese Entwicklung. "Schlimmer hätte es nicht kommen können", sagte der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) Mitte Mai – da war gerade Erzgebirge Aue abgestiegen, neben Magdeburg der zweite Neuling in Liga drei. Lange galt Aue als gallisches Dorf des deutschen Fußballs. Nur 17 000 Einwohner hat die Stadt; doch schaffte man es, fünf Jahre lang zweitklassig zu spielen. Trotz einer guten Rückrunde fehlte dem Team am letzten Spieltag ein Tor zum Verbleib in der Bundesliga. Der Verein will aber schnell zurück nach oben. Gleich nach dem Abstieg verkündete Clubpräsident Helge Leonhardt: "Wir greifen jetzt wieder an."

Allerdings mit deutlich weniger Geld. Das Scheitern in der zweiten Liga ist ein finanzielles Desaster für das Team aus dem Erzgebirge. Sein Etat fällt von 11,2 auf 6,5 Millionen Euro. Spieler müssen verkauft, Vereinsstrukturen umgekrempelt werden. Wie schwer diese Einschnitte zu verkraften sind, musste auch Energie Cottbus erfahren. Der Ex-Erstligist kam 2014 in die dritte Liga. Der direkte Wiederaufstieg war das Ziel. Am Ende landete Cottbus auf einem enttäuschenden siebten Platz.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT-im-Osten-Ausgabe Nr. 24 vom 11.6.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Ähnlich ist es anderen Traditionsvereinen ergangen. Dynamo Dresden, ebenso vor einem Jahr aus Liga zwei abgestiegen, musste die halbe Mannschaft verkaufen. Erstklassig ist bis heute nur der Zuspruch der Fans: 22 700 Zuschauer pro Heimspiel, das schaffen manche Bundesligisten nicht. Allerdings lasten die Kosten für das 2009 eröffnete Stadion auf dem Verein. Und es gibt Probleme im Management. Fünf Trainer verschliss Dynamo in den vergangenen beiden Spielzeiten. Und für die nächste Saison ist schon ein neuer verpflichtet.

Diese Unruhe kennt man auch bei Hansa Rostock. Die Ostsee-Kicker sind der erfolgreichste Nachwende-Club. Zwölf Jahre lang spielten sie erstklassig, acht Jahre zweitklassig. 2012 landete Rostock in Liga drei. Dort schrammten sie vorige Saison mit Platz 17 an der fußballerischen Bedeutungslosigkeit vorbei. Hinzu kommt: Der Verein hat einen Schuldenberg von etwa 20 Millionen Euro aufgetürmt. Nur Dank eines Investors konnte die Insolvenz abgewendet werden.

"Die Unternehmen haben im Osten einfach nicht die Sponsorenkraft wie in den alten Bundesländern", sagt Michael Schädlich, Präsident des Halleschen FC. Sein Club setzt daher auf Konstanz. Seit fast acht Jahren heißt sein Trainer Sven Köhler; so lange ist keiner seiner Profi-Kollegen im Amt. Doch die finanzielle Beschränkung verhindert den sportlichen Fortschritt. Nach jeder Saison muss die Mannschaft neu aufgebaut werden, weil die besten Spieler wechseln. Ähnlich ergeht es auch Vereinen wie Rot-Weiß Erfurt. Die Thüringer mussten gerade vier Leistungsträger abgeben. HFC-Präsident Schädlich forderte deswegen bereits 2013 einen Soli für die Ostvereine. Eine Debatte, die sehr schnell verpuffte.

Die abgelaufene Spielzeit zeigt auch, dass die Clubs aus den neuen Ländern in der dritten Liga nur Mittelmaß sind. Einzig der Chemnitzer FC hatte kurzzeitig Aufstiegsträume. Am Ende wurde er Fünfter.

Ein Trost sind die Derbys. Nach 1990 spielten die Vereine der letzten Oberliga-Saison zeitweilig in sechs verschiedenen Klassen. Dass acht von ihnen jetzt wieder in einer Staffel vereint sind, bringt lange vermisste Traditionsduelle zurück. Auch Verbandschef Rainer Milkoreit meint deshalb, dass "die dritte Liga im Osten noch mehr an Brisanz gewinnen wird". Allerdings solle das nicht so bleiben. "Ich hoffe, dass sich am Ende auch einer durchsetzt und den Aufstieg schafft." Bei 40 Prozent Anteil an Ostmannschaften in einer Liga stehen zumindest statistisch die Chancen recht gut.