Auf der Suche nach dem Glück begibt sich Michael Tomoff gern auf Abenteuer – selbst wenn es um etwas geht, bei dem viele Menschen vorsichtig werden: Geld. Neulich hat der Bonner Wirtschaftspsychologe über eine Internetplattform mit 6.648 anderen Menschen in eine Erfindung namens "Lantern" investiert: ein solarbetriebenes Gerät, das kostenlos Daten von Satelliten empfangen kann und Menschen in Diktaturen helfen soll, die Zensur zu umgehen. Auf seinem Smartphone hat Tomoff Apps installiert, um seine Geldangelegenheiten zu regeln; er nutzt Onlineportale, um zu sparen. Und als er einmal etwas Geld verloren hat, weil er im Netz auf ein windiges Investment hereingefallen war, fand er das nicht weiter schlimm. "Ich gehe an solche Angebote ganz naiv-optimistisch ran", sagt der 37-Jährige, der einst als Entwicklungshelfer in Nepal gearbeitet hat und heute Menschen bei Problemen in der Arbeit und im Leben coacht. "Den Riesenknall", sagt Tomoff, "den habe ich bisher nicht erlebt."

Michael Tomoff gehört zu einer wachsenden Gruppe von Menschen, die mit ihrem Geld mehr anfangen wollen, als es zur Bank zu tragen. Die es nutzen, um damit spannende Projekte zu finanzieren – nicht nur in der Hoffnung auf Rendite, sondern auch aus Leidenschaft. Die im Bus lieber mit dem Smartphone als mit Bargeld bezahlen wollen. Die nach neuen Wegen suchen, um ihr Vermögen bequemer zu verwalten und zu vermehren; und die sich nicht von lästigem Papierkram daran hindern, sondern sich von neuen Technologien beflügeln lassen wollen. Die nicht um jeden Prozentpunkt Rendite kämpfen, sich aber für neue Ideen begeistern. Man könnte solche Menschen Abenteurer nennen – in einer Finanzwelt, die sich so schnell verändert wie nie zuvor.

Das liegt daran, dass das Internet vieles vereinfacht, was bisher kompliziert war. Einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom zufolge möchte fast jeder dritte Smartphone-Nutzer Bustickets mit seinem Handy lösen. Unter den Menschen unter 30 will sogar jeder Zweite seine Geldbörse durch das Smartphone ersetzen. Zwei von drei Internetnutzern überweisen heute schon ihr Geld lieber übers Netz, und laut einer Umfrage von TNS Infratest würden etwa sechs von zehn Deutschen gerne auch ihre Versicherungsangelegenheiten online regeln, mit ein paar Klicks und per Chat.

Das Internet wird zum Geldnet – und viele Verbraucher freut es.

Während Banken nur zögerlich in die neue Welt aufbrechen, sehen viele kleine Unternehmen dort Chancen. Sie "verstehen die Sprache des Internets nahezu perfekt", attestiert eine Studie von Deutsche Bank Research, während etablierte Finanzdienstleister "die Kräfte des Internets" nach wie vor unterschätzten. Sogenannte Fintech-Unternehmen schießen zu Hunderten aus dem Boden. Sie wollen es ihren Kunden ermöglichen, per App zu bezahlen und sich gegen Unfälle genau dann zu versichern, wenn sie auf der Skipiste stehen; sie wollen ihnen helfen, bessere Anlageentscheidungen zu treffen, ihre Ausgaben im Blick zu behalten und zu sparen. Zum Beispiel hilft das Unternehmen Mineko dabei, Mietnebenkosten-Abrechnungen zu überprüfen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 24 vom 11.6.2015.

Manche Anbieter locken aber auch mit großen und ziemlich gewagten Versprechen auf die Reise ins Ungewisse: Feelix etwa, noch so ein Start-up aus Berlin, verspricht, alle Versicherungen, Geldanlagen und Kreditverträge durch Experten zu "optimieren", ganz "ohne Kosten" und mit "100 Prozent Leistungen" – wie genau die aussehen, das verrät es allerdings nicht.

Das zeigt: Bei aller Freude am Entdecken lauern Gefahren im wuchernden Finanzdschungel. Welche Schätze dort allerdings auch zu heben sind und welche Apps beim Sparen und Vorsorgen helfen, zeigt ZEIT GELD auf den folgenden Seiten.