Wie steht's mit dem Jagdschein? Der grüne Bundestagabgeordnete Konstantin von Notz © dpa

Neun Uhr im Café Einstein an der Berliner Kurfürstenstraße. Der Grüne Konstantin von Notz – als Obmann im NSA-Untersuchungsausschuss und maßgeblicher Aufklärer im BND-Skandal wälzt er gerade Geheimakten im Bundeskanzleramt – ist in diesen Wochen einer der gefragtesten Politiker: Um sieben Uhr saß er schon im ARD-Morgenmagazin. Äußerlich ein wenig der Karl-Theodor zu Guttenberg der Grünen, geht er der Regierung mit seinen Fragestunden im Bundestag und sicherlich auch mit seinen exzellent sitzenden Anzügen und seinem tadellosen, stets ein wenig steif wirkenden Auftreten brutal auf die Nerven. Ein Sieben-Minuten-Ei, bitte. Sein jugendliches, glatt rasiertes, spöttisch lächelndes Gesicht. Ein aktuelles Thema: Kann er ein bisschen von seinem von einem Hackerangriff gestörten Computer im Bundestag erzählen?

Gleich ist klar, dass von diesem von Notz keine Witze und keine Flapsigkeit kommen werden. "Der Computer ist bisher verhaltensunauffällig. Aber wie das so ist mit Trojanern: Man weiß es nie genau. Es handelt sich um einen sehr ernst zu nehmenden Angriff." Wenn er als guter Oppositionspolitiker der Regierung und der Kanzlerin im NSA-BND-Skandal ihre Verfehlungen vorhält, hat das immer auch etwas von einem Spielchen? Räuspern. Jetzt sieht man seinem Gesicht an, dass er eine spannende Antwort geben könnte, aber lieber die korrekte wählt: "Es ist so, dass man in Zeiten, in denen die Regierung 83 Prozent der Abgeordneten stellt und die Opposition 17 Prozent, schon Kraft aufwenden muss, um durchzudringen. Spielchen würde ich das nicht nennen." Unter uns: Ist es nicht sinnlos, die Kanzlerin, der bekanntlich niemand etwas anhaben kann, zu einer Aussage zu zwingen? Lächelnder Grüner: "Ihr Sprecher sagt ja gerne, sie werde dann auch mal vorbeigucken beim Ausschuss. Ich sage: Als Zeugin wird sie kommen müssen, das ist keine Goodwill-Geschichte."

Hmm. Beim Eiessen ist dieser von Notz ein rundherum nachvollziehbarer und grundsympathischer Mensch. Er lächelt durchgehend. Als wollte er auf eine Metaebene der Fragen anspielen oder als wollte er sagen: Ich antworte gerne. Aber sollen wir uns nicht über interessantere Dinge unterhalten? Quatschfrage zum Auflockern: Kann er sich vorstellen, BND-Chef zu werden? "Das ist ein ehrbarer Posten. Aber ich finde die Rolle, den BND und die Exekutive zu kontrollieren, schon auch gut."

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 25 vom 18.6.2015.

Die konservative Aura dieses mit 44 Jahren noch als jung geltenden Grünen, der im Untersuchungsausschuss ja zum Beispiel mit dem Alt-68er und Salonlinken Hans-Christian Ströbele zusammenarbeiten muss, ist das Interessanteste. Macht Ströbele Witze über ihn, weil von Notz ein Krawattenmensch ist? Ach. Er habe die Hoffnung, dass diese Äußerlichkeiten 2015 nicht mehr zählen: "Was für mich die Krawatte ist, ist für Ströbele sein roter Schal." Ist das für ihn eine ausgemachte Sache, dass die Grünen und die CDU 2017 zusammengehen? "Nein, das ist nicht ausgemacht." Irgendeine echt asoziale Frage muss jetzt her, wir spielen, was immer geht, auf seine adelige Herkunft an: Hat der Grüne Konstantin von Notz den Jagdschein? Da guckt er ein bisschen genervt, dass man ihn an diesem Klischeepunkt erwischt hat: Als junger Mann habe er tatsächlich die Jagdprüfung absolviert, den Schein müsse man ja immer wieder beantragen.

Von Notz muss jetzt zu Hause vorbeigucken, er ist vor zwei Wochen Vater geworden. Schau an: Der konservative Grüne, das ist der Politikertypus, der in Zukunft unser Land regieren wird. Er hat bei diesem Frühstück etwa fünf Prozent seines Esprits und seiner Überzeugungen preisgegeben. Den will man wiedersehen.

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