DIE ZEIT: Herzlichen Glückwunsch zum Preis! Sie bekommen 15.000 Euro für Ihre Stiftung überwiesen. Ist das viel oder wenig?

Dorit Otto: Es kommt natürlich immer darauf an, was Sie damit vorhaben. Aber mit 15.000 Euro kann man eine Menge erreichen.

ZEIT: Für die Renovierung der Kunsthalle haben Sie 15 Millionen Euro gestiftet, für das HSV-Leistungszentrum 10 Millionen. Da sind doch 15.000 Euro eher ein Betrag für die Portokasse.

Alexander Otto: Für große Baumaßnahmen sind natürlich hohe Beträge erforderlich. Unsere Stiftung erhält aber auch Anfragen über 1500 Euro, bei denen wir sehen, dass sich der Antragsteller viele Gedanken gemacht hat. Deshalb geht es oft nicht um die Höhe eines Betrags, sondern um die Wertigkeit.

ZEIT: Sie unterscheiden zwischen Wert und Wertigkeit von Geld?

Alexander Otto: Es ist zum Beispiel enorm, wenn Ehrenamtliche ein Fahrradtraining organisieren in einem Viertel, wo die Kinder nicht mehr Radfahren lernen. So etwas kann für mich die gleiche Wertigkeit haben wie die Spenden desjenigen, der einen Millionenbetrag gibt.

ZEIT: Das Magazin Forbes hat das Vermögen der gesamten Familie Otto auf mehr als 16 Milliarden Dollar beziffert. Haben die richtig gerechnet?

Alexander Otto: Im Zweifel sind solche Aufstellungen eher hoch gegriffen. Jenseits der gewissen Grundsicherheit sind solche Zahlen auch irgendwann abstrakt. In jedem Fall bringt ein Vermögen auch eine große Verantwortung mich sich.

ZEIT: Sind Sie ebenfalls in den Reichtum hineingeboren worden, Frau Otto?

Dorit Otto: Ich komme aus dem klassischen Bildungsbürgertum, mein Vater war Offizier bei der Bundeswehr. Ich habe unter anderem Kunstgeschichte studiert und viele Jahre im Kunstauktionshaus gearbeitet. Nach der Hochzeit musste ich mich erst mal daran gewöhnen, in diesem Umfang vermögend zu sein. Wahrscheinlich ist das leichter, wenn man da hineingeboren wird. Ich sehe vor allem die damit verbundene Verantwortung: Wenn Sie ein gewisses Vermögen haben, bedeutet das nicht nur Segen, sondern verbunden sind damit auch Schattenseiten, wie zum Beispiel im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen.

ZEIT: Macht Ihnen Geldausgeben Spaß?

Dieser Artikel stammt aus dem Hamburg-Teil der ZEIT Nr. 25 vom 18.6.2015. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Alexander Otto: Wir haben keinen extravaganten Lebensstil, keine Flugzeuge und Boote. Aber es ist schon ein Segen, wenn man gestalten und unterstützen kann.

ZEIT: Wofür geben Sie privat Geld aus?

Dorit Otto: Sicher führen wir nicht den sparsamsten Lebensstil, aber wir sind auch keine Konsummenschen. Wir lieben Biokost und wissen durchaus zu schätzen, dabei nicht auf den Preis achten zu müssen.

Alexander Otto: Es ist auch toll, wenn man sich spontan Dinge kaufen kann, die einen begeistern.

ZEIT: Was schenkt man Menschen, die sich alles kaufen können?

Dorit Otto: Mit ein wenig Originalität gelingt das durchaus. Beispielsweise Zeit schenken oder Dinge, die überraschen. So habe ich meinem Mann Karten für ein WM-Spiel der deutschen Mannschaft in Brasilien zu Weihnachten geschenkt.

ZEIT: Gibt es auch Wünsche, die Sie sich nicht erfüllen können?

Dorit Otto: Wir haben die gleichen Wünsche wie andere auch. Dabei stehen gesund zu bleiben, Zeit zu haben und in Frieden zu leben an erster Stelle.

Alexander Otto: Wenn ich am Wochenende zu Hause bin, Zeit für die Familie habe, und es gibt auch noch Spinat mit Fischstäbchen, dann fühle ich mich manchmal wie der glücklichste Mensch der Welt.