In Aachen studieren vorwiegend Männer: Ingenieure, Maschinenbauer, Informatiker. Es fehlt ihnen an Flirtfachwissen und vor allem: An Frauen! Ein Streifzug durch die Stadt der Smartphone-Streichler

Wenn man es nicht wüsste: Wann würde man’s bemerken? Und woran? In Aachen dominiert ja zunächst einmal der Dom, zieht himmelstrebend alle Aufmerksamkeit auf sich. Dann sind da das Rathaus und der Marktplatz und in dieser historischen Kulisse Tausende Touristen, die übers Kopfsteinpflaster stolpern. Blendet man all das Postkartentaugliche einmal aus, fällt irgendwann auf: verdammt viele junge Leute unterwegs. Die meisten davon Männer. Und die allermeisten dieser meisten sind eher schmal und etwas blässlich, tragen filigrane Brillen, dazu häufig kurzärmlige Hemden, oft gestreift, noch öfter kariert. Die Uniform der Unauffälligen.

Wenn es stimmt, dass Deutschland ein Land der Ingenieure ist, ein Land der Informatiker und der Maschinenbauer, dann muss Aachen die heimliche Hauptstadt sein. Mit mehr als 40.000 Studierenden ist die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) die bundesweit größte Hochschule für technische Studiengänge. Sie ist der Ort, an dem laut Eigenwerbung "die Zukunft unserer industrialisierten Welt gedacht" wird – was in der Gegenwart bedeutet: In Aachen ist der Genpool bis zum Überlaufen voll mit Y-Chromosomen-Trägern. Und zwar jenen, die dem Klischee nach besser mit Maschinen als mit Menschen können. Hier hocken also all die Jungs, die schon in der Schule weniger mit Liebesbrieflyrik glänzten, sondern auffielen durch ihre Lust an Lichtbrechungen oder ihre Schwärmerei für das Newtonsche Gravitationsgesetz.

Wenn’s wirklich so ist: Was bedeutet das für die Frauen? Und was für die Männer? Wer sich ungeniert durch Stadt und Campus fragt, bekommt oft ein Lachen zu hören, das schnell von einem verlegenen Räuspern eingefangen wird. Die Angelegenheit ist in Aachen Thema und Tabu zugleich, ebenso banal wie grundsätzlich – ist eine Universität doch der Ort, an dem das Hirn gefüttert wird, die Hormone aber auch ihr Recht einfordern.

Dieser heiklen Sache ist die ZEIT jetzt einmal nachgegangen, mit dem gebotenen Ernst, mehr aber auch nicht. Herausgekommen ist dabei dies:

Die Fakten

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 26 vom 25.06.2015.

Auf 100 Männer zwischen 20 und 25 Jahren kommen in Aachen tatsächlich gerade mal 74 Frauen – laut Leibniz-Institut ist die "Sexualproportion" hier demnach so ungünstig wie in Wilhelmshaven und der Uckermark. Offenbar zeichnen sich Krisengegenden und Boomregionen gleichermaßen durch Männerüberschuss aus, allerdings sind die Gründe unterschiedlich: Aus der Uckermark ziehen die Frauen weg, nach Aachen ziehen die Männer hin. Zwei Drittel aller RWTH-Eingeschriebenen sind männlich. Die Hochschule gehört zu Deutschlands Exzellenz-Unis, was die Berufswahl erleichtert, die Partnerwahl eher nicht: In der Fakultät "Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften" kommen auf 1192 Studenten 267 Studentinnen – ein Verhältnis von 4,5 : 1. In der Elektrotechnik stehen 3.560 Männer 707 Frauen gegenüber – 5 : 1. In der Fakultät "Maschinenwesen" sind 10.596 Studenten und 1.481 Studentinnen eingeschrieben – 7 : 1. Die Folgen sind an Aachens Bevölkerungspyramide ablesbar. Anatomische Assoziationen soll bitte jede/r für sich behalten.

Aus einem Chat, Teil I

"Karohemd und Samenstau – der studiert Maschinenbau!"