"Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub", sagt der Pfarrer bei der Beerdigung. Eigentlich ein schönes Bild: Es beschreibt den ewigen Lebenszyklus, die "sterblichen Überreste" verbinden sich mit dem Erdreich und werden zur Grundlage neuen Lebens.

Manche Menschen halten sich aber lieber an den Werbespruch "Ein Diamant ist unvergänglich". Für sie gibt es das Angebot, aus der Krematoriumsasche einen "Erinnerungsdiamanten" fertigen zu lassen. Zum Preis von 5.000 Euro aufwärts bekommen die Hinterbliebenen einen Edelstein ausgehändigt, den sie dann zum Beispiel als Anhänger um den Hals tragen können.

Der chemisch bewanderte Mensch muss an dieser Stelle zunächst einmal stutzen: Diamanten bestehen zu 100 Prozent aus reinem Kohlenstoff. Bei der Verbrennung wird aber eigentlich sämtlicher Kohlenstoff, der ja in organischem Material reichlich vorhanden ist, umgewandelt in Kohlenstoffdioxid CO₂ (ja, auch Krematorien tragen zum Treibhauseffekt bei).

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Damit noch sogenannter amorpher Kohlenstoff im Verbrennungsrückstand verbleibt, muss die Verbrennung unvollständig sein. Statt bei 1.200 Grad wird der Verstorbene bei nur etwa 800 Grad verbrannt. Und aus dieser Asche kann man dann tatsächlich den Kohlenstoff extrahieren und unter hohem Druck und hohen Temperaturen in einem mehrwöchigen Prozess einen Diamanten wachsen lassen. Das ist derselbe Prozess, mit dem auch Industriediamanten hergestellt werden. Kann man sicher sein, dass der Diamant nur Atome des Verstorbenen enthält? Zumindest ein Anbieter hat zugestanden, dass er manchmal mit etwas Fremd-Kohlenstoff nachhilft.

Das Verfahren ist in Deutschland eigentlich gar nicht erlaubt. Bei uns gilt der Bestattungszwang, das heißt: Alle Überreste des Verstorbenen gehören unter die Erde, auch die Asche. Wenn der Verstorbene aber zu Lebzeiten seinen Willen eindeutig bekundet hat, wird der Export der Asche in die Schweiz oder in die Niederlande geduldet – der Teil der Asche, der nicht für den Diamanten gebraucht wird, kann dann auf herkömmliche Weise beigesetzt werden.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 26 vom 25.06.2015.

Sowohl der Bestattungsunternehmerverband als auch die Kirchen stehen dem Verfahren skeptisch gegenüber. Sie sehen in dem eitlen Glitzerwerk eher eine Störung der Totenruhe.

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