Sie heißt EcoChallenge und macht aus dem Umweltschutz ein Spiel. Das Prinzip der iPhone-App: Wer am umweltfreundlichsten einkauft, gewinnt.

Wer mitmacht, lernt so einiges über die ökologischen Folgen seines Konsums. Wie weit werden die Zutaten für einen Erdbeerjoghurt transportiert, bevor dieser im deutschen Supermarktregal landet? Wie viel Wasser wird für die Produktion eines Hemdes verbraucht? Wie viel Erdöl steckt in einer Plastiktüte? Der Nutzer kann also mit der kostenlosen App berechnen, wie viele Ressourcen seine Einkäufe verbrauchen, und sich auf Facebook mit seinen Freunden vergleichen. Mit kleinen Aktionen, Challenges genannt, wird er zu Verbesserungen motiviert: Etwa, indem er ein Essen nur aus regionalen Zutaten kocht, seinen Fleischkonsum reduziert oder ein paar Tage lang nichts einkauft, was in Plastik verpackt ist. Jede Woche gibt es neue Fakten und Herausforderungen.

Hilft das Internet uns, grüner zu leben? Apps wie EcoChallenge schärfen zumindest das ökologische Bewusstsein beim Einkauf. In Zeiten, in denen es modern ist, mithilfe des Smartphones Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu vermessen, können sie auch bei der ökologischen Optimierung des eigenen Lebens helfen. Viele der Programme verknüpfen beides, Gesundheit und Ökologie. So gibt es Saisonkalender für Obst und Gemüse, Verzeichnisse vegetarischer Restaurants oder auch vegetarischer Rezepte.

Besonders interessant sind Apps, die Barcodes von einzelnen Produkten scannen wie etwa Barcoo und Codecheck. Beide Apps sind mit Datenbanken verbunden, die vor allem Informationen über Lebensmittel und Kosmetika enthalten. So klären sie den Nutzer darüber auf, ob ein Fruchtsaft besonders viel Zucker enthält oder ob ein Duschgel ohne hormonell wirksame Stoffe auskommt.

Gesunde Kosmetik, vegetarische Ernährung, politisch korrekte Kleidung: Die Themen der Öko-Apps haben oft mit Lifestyle zu tun. Ihren Nutzern geht es nicht zwangsläufig um die Rettung der Welt; vielleicht möchten sie einfach nur gesünder leben. Aber die Chancen stehen gut, dass sie dadurch auch umweltfreundlicher konsumieren. Wer mehr regionale und pflanzliche Lebensmittel kauft und weniger importiertes Fleisch, schont das Klima. Dem Rat für Nachhaltige Entwicklung zufolge ist die Ernährung für etwa 15 Prozent des CO₂-Ausstoßes der Deutschen verantwortlich. Mehr verbraucht nur noch die Heizung mit rund 18 Prozent. Pkw schlagen mit 14 Prozent zu Buche. Rechnet man alles zusammen, verursacht der durchschnittliche Deutsche jährlich neun Tonnen CO₂. Weniger als ein Viertel davon wäre künftig pro Erdbewohner erlaubt, möchte man die Erderwärmung auf zwei Grad begrenzen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 26 vom 25.06.2015.

Der Nachhaltigkeitsrat wirbt deshalb dafür, "auch in den Bereichen Wohnen und Mobilität" stärker auf die CO₂-Emissionen zu achten – und natürlich gibt es auch dafür Apps, sei es zum Energiesparen im Haushalt (Energiecheck, ecoGator), zum Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel (DB Navigator) oder um Autofahrer und Mitfahrer zusammenzubringen (BlaBlaCar).

Die Technik kann beim grünen Leben helfen, so viel ist klar. Doch hinter den kleinen elektronischen Helfern verbergen sich große Grundsatzfragen: Führt der Einsatz von immer mehr Technik wirklich dazu, dass wir Ressourcen sparen? Reicht bewusster Konsum aus, um grundlegend etwas zu verändern? Eher nicht, findet Felix Ekardt. Er leitet die Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik in Leipzig und Berlin und beschäftigt sich dort mit der Frage, wie Kapitalismus und Klimawandel zusammenpassen. "Oft verfügen die Datenbanken hinter den Apps nur über unvollständige Informationen", sagt er. "Sie vermitteln eine trügerische Sicherheit, eine genaue Entscheidungshilfe, die es aber so perfekt gar nicht gibt." Für Ekardt bedeutet grünes Leben vor allem, weniger zu konsumieren. "Es geht um Selbstbeschränkung", sagt er. "Und um politisches Engagement jenseits des Konsums."

Wer sich tiefer hineinbegeben will in die Debatte um Konsumverzicht und Wachstumskritik, findet – selbstverständlich – auch darüber Informationen im Netz. Und Inspiration für ein besseres Leben, etwa auf den Seiten der Stiftung Futurzwei. Ihren Machern geht es um "Menschen, die etwas verändern wollen, die etwas wagen", sagt Mitarbeiterin Raffaela Then. Diese Menschen stellt Futurzwei in ihrem "Zukunftsarchiv" im Netz vor; die Beispiele reichen über ein veganes Berliner Modelabel bis zur Waldgenossenschaft in Remscheid. So unterschiedlich sie sind, eines lässt sich von allen lernen, sagt Then: "Wichtig ist, dass sich die soziale Praxis verändert. Technik alleine reicht nicht."