Audi Q7 © Hersteller

"Er kommt zur richtigen Zeit", sagt Rupert Stadler und deutet auf ein imposantes Auto. Fünf Meter lang, zwei Meter breit und mannshoch steht der leuchtend blaue Audi Q7 da. Der Audi-Chef lässt es sich nicht nehmen, seinen Stolz persönlich in den Bergen des Schweizer Wallis zu präsentieren. Auf der Tour vom Flughafen Sion zum 55 Kilometer entfernten Verbier erklärt Stadler, Q stehe bei Audi für Sport Utility Vehicle, kurz SUV. So ein SUV ist doch ..., versuche ich zu fragen. Doch Stadler lässt sich nicht bremsen. Er sagt: "Bis zu 325 Kilo leichter als sein Vorgänger" sei der neue SUV, und er mache auch "im CO₂-Bereich eine saugute Figur." Denn: Mit einem Sechszylinder-Diesel emittiere er weniger als 149 Gramm CO₂ pro Kilometer, "das ist doch der Hammer".

Klimaschützer finden solche Autos freilich nach wie vor hammermäßig daneben. Aber der Audi-Chef dürfte mit seinen Erwartungen an den Erfolg seines neuen SUV richtig liegen. Denn nichts wird auf den Automobilmärkten in aller Welt heißer gehandelt als die bulligen Autos mit der breiten Spur, den kräftigen Kotflügeln und der hohen Sitzposition: In Deutschland ist schon jeder fünfte neue Pkw ein SUV oder Geländewagen. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich ihr Anteil an den Neuzulassungen verdoppelt. In den USA, dem Ursprungsland der Sport Utility Vehicles, wurden 2014 mehr light trucks – also SUVs und wuchtige Pick-ups – abgesetzt, als alle übrigen Pkw zusammen. Und in China geht es gerade richtig los: In den ersten vier Monaten wurden 50 Prozent mehr SUVs verkauft als im selben Zeitraum des Vorjahrs. Dieter Zetsche, Stadlers Amtskollege von Daimler, hat 2015 schon zum "Jahr des SUV" erklärt.

Audi hält mit: Gut eine halbe Million Mal hat sich die erste Q7-Generation in acht Jahren verkauft, vom Nachfolger, der im Herbst kommt, sollen es bis zu 70.000 Stück jährlich werden.

Was treibt die Kunden auf allen Kontinenten bloß hin zu diesen wuchtigen Autos, Herr Stadler? "Die Kunden sind super happy", sagt Stadler, "weil sie höher sitzen, ein besseres Überblicksgefühl haben und unheimlich komfortabel lange Strecken reisen können."

In Deutschland begann der SUV-Boom Ende der Neunziger, als BMW und Mercedes in Amerika neue Fabriken bauten, um von dort aus ihre wuchtigen Freizeitmobile als modische Alternative zu großen Limousinen zu vermarkten. Porsche und VW zogen nach. Vor allem Städter waren fasziniert von der neuen Freiheit auf vier angetriebenen Rädern, auch wenn sie meist nur im Kopf stattfand und nicht auf schlammigen Geländepfaden. Das urbane Bürgertum habe eine neue Form des Eskapismus entdeckt, glaubt der Kölner Designprofessor Paolo Tomminelli. Mit dem Einzug des Kriegsgeräts Hummer in die Nobelviertel der USA erreichte die SUV-Welle einen krassen Höhepunkt – bis sie sich am Riff der Finanzkrise und an hohen Spritpreisen brach. Der Bruch dauerte nur kurz.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 26 vom 25.06.2015.

Inzwischen ist der SUV kein Privileg der Noblen und Reichen mehr. Der Geländewagen-Look hat mittlerweile alle Fahrzeugkategorien erobert: Die Opel-Corsa-Fahrerin kann auf den kompakten Opel Mokka umsteigen, der Fiat-Fan auf den angeschwollenen 500X, und der Golf-Besitzer hat bei VW den Tiguan als Alternative. Demnächst müssen selbst die Eigner eines Lamborghini oder Bentley überlegen, ob sie vom Supersportwagen oder Luxus-Coupé zum Monster-SUV ihrer Marke konvertieren sollen.

In den Schweizer Bergen biegt der Audi-Chef mit dem Q7 in die Serpentinenstrecke zum Nobel-Skiort Verbier ein. Giftig nimmt der schwere Wagen die engen Kurven. Herr Stadler, ein SUV ist größer und schwerer als ein Normalauto, seine Form bietet mehr Luftwiderstand. Die Folge ist höherer Spritverbrauch und mehr CO₂. Macht der SUV-Trend die Fortschritte bei den CO₂-Emissionen wieder kaputt? Der Audi-Chef will sich den Fahrspaß nicht verderben lassen: "SUVs sind hip. Das Thema Verbrauch haben wir längst gelöst. Dank Leichtbautechnologie und neuen Motoren kommt ein SUV heute in eine Verbrauchsregion, die eine Limousine vor zehn Jahren nicht schaffte." Und: "Wir haben etwa beim neuen Q7 den Verbrauch um 30 Prozent gegenüber der Vorgängerversion reduziert."