In Deutschland wird so viel vererbt wie noch nie: 2,6 Billionen Euro werden es voraussichtlich in diesem Jahrzehnt sein – das ist mehr als ein Viertel des gesamten privaten Nettovermögens. Die Debatte um eine Reform der Erbschaftsteuer, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble angestoßen hat, kommt daher genau zur rechten Zeit.

Wer erbt, ist nicht nur finanziell im Vorteil, sondern hat auch eine größere Chance, sein Leben erfolgreich zu gestalten. Diese Ungleichheit könnte eine höhere Erbschaftsteuer ein Stück weit ausgleichen. Vorausgesetzt, der Staat nutzt das Geld, um in die Zukunft der Jungen zu investieren. Ich plädiere für einen zweckgebundenen Generationen-Soli, der beispielsweise in den Ausbau der Kinderbetreuung oder die Ausstattung von Schulen und Universitäten fließt.

Immer wieder wird uns Jungen gesagt, wir sollten uns mal nicht so haben. Schließlich könne unsere Generation ein sorgenfreies Leben – manche nennen es auch luxusverwahrlost – auch deshalb führen, weil der Reichtum der Alten irgendwann der unsrige sein werde. Doch von dem werden wir, die angeblich privilegierte Erbengeneration, nur wenig abbekommen.

Heute leben die Menschen länger, und das ist auch gut so. Weil uns aber die Älteren häufig erst mit 80 oder 90 Jahren verlassen, tritt die nachfolgende Generation ihr Erbe später an als in früheren Zeiten. Der typische Erbe ist heute zwischen 40 und 65 Jahre alt, wie das Deutsche Institut für Altersvorsorge festgestellt hat. Von den Hinterlassenschaften profitieren also nicht die Jungen, sondern die Babyboomer. Und die sind ebenso wohlhabend wie zahlreich.

Was die Erbmasse selbst angeht, so wird von ihr nur ein Drittel an die nachfolgende Generation weitergegeben. Der große Rest geht an Lebenspartner und Geschwister, bleibt also in der eigenen Kohorte.

Zudem ist Erbe nicht gleich Erbe, denn wirklicher Reichtum wird nur wenigen hinterlassen. Bei den Erbschaften an die nächste Generation verteilt sich ein Drittel der gesamten Erbmasse in Deutschland auf zwei Prozent der Nachfahren. Andererseits liegt bei 30 Prozent der Erbfälle die Hinterlassenschaft bei unter 25 000 Euro, in jedem elften Fall wird gar kein nennenswertes Vermögen übertragen. "Die ungleiche Verteilung auf die Erbengeneration wird sich künftig noch verschärfen", warnt das Deutsche Institut für Altersvorsorge. Denn "Geringverdiener erben seltener und weniger. Von großen Erbschaften profitiert vor allem, wer auch hohe Vermögen aus dem eigenen Einkommen angespart hat."

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 27 vom 02.07.2015.

Ausgerechnet die Jugendlichen, denen Großeltern und Eltern schon jetzt finanziell wenig bieten können, bleiben auch in Zukunft die Benachteiligten: Während sie nicht über Los gehen und auch keine 200 Euro einziehen dürfen, haben die anderen schon ein Hotel auf der Schlossstraße. Das ist unfair. Und es passt nicht zu einer Gesellschaft, die von sich behauptet, es käme darauf an, was ein Mensch mit seinem Kopf und seinen Händen schafft, und nicht darauf, was die Eltern im Geldbeutel haben.

Derzeit generiert die Erbschaftsteuer ein Aufkommen von vier Milliarden Euro – wenig, angesichts von mehr als 250 Milliarden Euro Erbmasse. Würde der Staat die Steuerbelastung von derzeit effektiv zwei Prozent auf zehn Prozent erhöhen – unter Wahrung gebührlicher Freibeträge und mit angemessenen Regelungen für Betriebsvermögen –, brächte das rund zehn Milliarden Euro mehr ein. Mit diesem Geld könnte dann der Generationen-Soli finanziert werden. Er wäre endlich ein Signal, dass die Regierung uns Junge nicht vergessen hat. Die Rente mit 63 und die Mütterrente jedenfalls sind Zuwendungen an die eigene Parteiklientel auf Kosten meiner Generation.